Was Macht Einen Menschen Aus?

Was Macht Einen Menschen Aus

Mensch
Carl von Linné, nachträglich designierter Typus der Art Homo sapiens
Systematik
Überfamilie : Menschenartige (Hominoidea)
Familie : Menschenaffen (Hominidae)
Unterfamilie : Homininae
Tribus : Hominini
Gattung : Homo
Art : Mensch

/td> Wissenschaftlicher Name Homo sapiens Linnaeus, 1758

1/7) ▶ 25 % der heute lebenden Menschen sind höchstens 14 Jahre alt. Der Mensch ( Homo sapiens, lateinisch für „verstehender, verständiger” oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch”) ist nach der biologischen Systematik eine Art der Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen, die zur Ordnung der Primaten und damit zu den höheren Säugetieren gehört.

Der Mensch ist die einzige rezente Art der Gattung Homo. Er ist in Afrika seit rund 300.000 Jahren fossil belegt und entwickelte sich dort über ein als archaischer Homo sapiens bezeichnetes evolutionäres Bindeglied vermutlich aus Homo erectus, Zwischen Homo sapiens, den Neandertalern und den Denisova-Menschen gab es nachweislich – vermutlich mehrfach – einen Genfluss,

Weitere, jedoch deutlich jüngere fossile Belege gibt es für die Art von allen Kontinenten außer Antarktika, Von den noch lebenden Menschenaffen sind die Schimpansen dem Menschen stammesgeschichtlich am nächsten verwandt, am zweitnächsten die Gorillas,

Allgemeine Eigenschaften der Menschen und besondere Formen menschlichen Zusammenlebens werden in der Anthropologie, Ethnologie und Soziologie untersucht. Im Laufe der Stammesgeschichte des Menschen, der Hominisation und der soziokulturellen Evolution haben sich Merkmale herausgebildet, welche die Voraussetzungen dafür bildeten, dass der Mensch ein in hohem Maße sozialisations – und kulturabhängiges Wesen werden konnte.

Dazu gehören eine lang andauernde Kindheit, die Fähigkeit zum Spracherwerb und zu gemeinschaftlicher Arbeit sowie das Eingehen besonders komplexer sozialer Bindungen, Durch ihr Bewusstsein erschließt sich den Menschen die zeitliche Dimension des Daseins sowie ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst.

  1. Daraus ergeben sich die eigene Existenz betreffende Fragen, wie zum Beispiel die nach der persönlichen Freiheit, nach der menschlichen Stellung in der Natur, nach moralischen Grundsätzen des Zusammenlebens und einem Sinn des Lebens,
  2. Im Rahmen der Reflexion des Verhältnisses zu anderen Lebewesen haben viele Kulturen ein Menschenbild entwickelt, das den Menschen von der Natur absondert und dieser gegenüberstellt.

Eine solche Sonderstellung innerhalb der Tierwelt wurde etwa durch Schöpfungserzählungen begründet, die den Menschen einen separaten Ursprung zuschreiben, oder durch die Bestimmung des Menschen als Vernunftwesen, Sie findet aber auch in modernen Vorstellungen wie der Menschenwürde und den Menschenrechten einen Widerhall.

  1. Die Gesamtzahl der Individuen wuchs eine Zeit lang exponentiell und beträgt mittlerweile mehr als acht Milliarden.
  2. In ihrer Gesamtheit werden diese als Menschheit bezeichnet.
  3. In der Geschichte der Menschheit kam es zur Bildung zunehmend komplexer sozialer Systeme, seit der neolithischen Revolution sind dies die so genannten Zivilisationen,

Die Entwicklung der Technik führte bis heute zu einem dermaßen umfassenden anthropogenen Einfluss auf das Ökosystem Erde, dass vorgeschlagen wurde, das aktuelle Erdzeitalter Anthropozän zu nennen. Einige der ihr gesetzten planetaren Grenzen hat die Menschheit in jüngerer Vergangenheit bereits überschritten.

Was sind Merkmale von Menschen?

Merkmale des Menschen / Biologie Menschen sehen oft sehr verschieden aus – wir unterscheiden uns zum Beispiel durch unsere Größe, die Statur, unsere Gesichtszüge und die Farbe der Haut, der Haare und der Augen. Welche körperlichen Merkmale haben aber alle Menschen gemeinsam ? Inhaltsverzeichnis

Durch welche körperlichen Merkmale zeichnen sich alle Menschen aus?

  • Wir haben 2 Arme und 2 Beine als Gliedmaßen. Abb.1 Der Mensch hat Arme und Beine.
  • Unsere Hände sind Greifhände, da die Daumen den restlichen Fingern gegenübergestellt sind (opponierbarer Daumen). Dadurch ist auch Feinmotorik möglich! Abb.2 Greifhände mit opponierbarem Daumen
  • Im Vergleich zu anderen Primaten haben wir eine geringe Körperbehaarung, Abb.3 Ein Schimpanse ist dicht behaart.
  • Unser Körperbau ermöglicht einen aufrechten Gang, Dieser ist unter anderem aufgrund der Form unseres Beckens und der Doppel-S-Form unserer Wirbelsäule möglich. Abb.4 Doppel-S-Form der Wirbelsäule
  • Die Lage unseres Kehlkopfes ermöglicht eine weitere Besonderheit des Menschen: Die gesprochene Sprache ! Abb.5 Der Kehlkopf des Menschen liegt tiefer als z.B. beim Schimpansen. Dadurch liegt ein größerer Bereich vor, in dem wir Menschen verschiedene Laute bilden können.
  • Von außen betrachtet sind wir spiegelbildlich symmetrisch, Das heißt unsere rechte Körperseite gleicht unserer Linken. Abb.6 Unsere beiden Körperhälften sind wie Bild und Spiegelbild. Schaut man aber ganz genau, merkt man, dass die beiden Seiten nicht ganz genau gleich sind. Betrachte dazu deinen Körper genau: Ist eine Hand größer als die andere? Erkennst du einen Unterschied in der Größe deiner Augen? Gibt es Unterschiede zwischen deinen Gesichtshälften? Interaktiv Gesichtshälften-Vergleich
  • Unser Gehirn ist besonders leistungsfähig, Das liegt unter anderem an der Größe, der Anzahl der Nervenzellen (die Bausteine des Gehirns), der Vernetzung der Nervenzellen untereinander und der Struktur des Gehirns. Abb.7 Das Gehirn eines Menschen

Du weißt vermutlich bereits, dass die wissenschaftliche Bezeichnung des Menschen Homo sapiens ist. Es gibt Belege, dass die Art Homo sapiens bereits seit 300 000 Jahren auf der Erde existiert. Die Besonderheiten des Menschen zeigen sich unter anderem in unserer Sprache, der Schrift, den technologischen Entwicklungen, unseren Kulturen und dem sozialen Zusammenleben.

Was macht die Menschen so besonders?

von Adrian Schuder Betrachtet man unterschiedlichste Kulturen und Religionen aus verschiedenen Epochen der Weltgeschichte, so fällt eines auf: der Mensch steht stets im Vordergrund seiner eigenen Weltanschauung. Auf den ersten Blick ist dies nicht verwunderlich, schließlich wurde die jüngere Weltgeschichte nahezu ausschließlich durch die Spezies des Homo Sapiens geprägt, sämtliche Kulturen und Staaten wurden durch ihn geschaffen und alle Religionen auf der Welt von ihm ins Leben gerufen.

  • Menschen scheinen hinsichtlich ihrer Intelligenz, Kreativität und der Fähigkeit zur Selbstreflexion jeglicher anderen Lebensform auf der Erde deutlich voraus zu sein.
  • Gerade aufgrund dieser scheinbaren geistigen Überlegenheit neigen Menschen nicht selten dazu, in sich selbst etwas Transzendentes zu sehen.

So heißt es im Christentum, dass Gott den Menschen nach seinem Vorbild geschaffen habe.1 In der ägyptischen Mythologie weisen die Götter zwar jeweils Merkmale unterschiedlicher Tiere auf, besitzen aber größtenteils eine eindeutig menschliche Statur. Dasselbe gilt für die Götter der Azteken.

Diese Beispiele zeigen, dass Menschen zu unterschiedlichen Epochen und an verschiedenen Orten auf der Welt die Ansicht vertraten, dass eine konkrete Verbindung zwischen ihnen als Menschen und dem Übernatürlichen in Form von Göttern bestünde, die sich in Gemeinsamkeiten des Wesens und der Gestalt manifestiere.

Diesem Glauben liegt einerseits womöglich der Wunsch nach Spiritualität und der Verbundenheit zu etwas Transzendentem sowie ein Lebenssinn, der sich aus einer ebensolchen Verbundenheit ergibt, zugrunde. Andererseits könnten die Vorstellungen der diversen anthropomorphen Götterfiguren auch darin begründet liegen, dass Menschen dazu neigen, die eigene geistige Entwicklungsstufe betrachtend, sich selbst näher an übernatürlichen Schöpfern zu verorten, als an bloßen Tieren.

  • Sich derart von Tieren abzugrenzen, ist tatsächlich naheliegend, wenn man sich vor Augen hält, dass Menschen dazu in der Lage sind, Sprachen zu sprechen, Städte zu bauen, durch Schrift zu kommunizieren und über den Sinn des Lebens nachzudenken.
  • Aber sind diese besonderen kognitiven Leistungen des Menschen Grund genug dafür, den Menschen im Geiste von Tieren abzugrenzen? Aus biologischer Sicht wäre eine derartige Trennung zwischen Mensch und Tier allein deswegen falsch, weil der Homo Sapiens von Primaten abstammt und daher selbst per Definition ein Tier ist.2 Abgesehen davon macht es wenig Sinn, alle Tiere in Bezug auf geistiges Leistungsvermögen als gleichartig zu betrachten.

Beispielsweise sind Oktopusse dazu in der Lage, sich auf vielfältige Weise vor Raubtieren zu schützen. Sie können sich am Meeresboden tarnen, zwei Kokosnusshälften zusammenfügen, um sich darin zu verstecken oder Steine vor ihre Höhle schleppen, sodass kein Tier mehr durch die Höhlenöffnung passt, das größer als sie selbst ist.3 Diese unterschiedlichen Vorgehensweisen zum Schutz vor Raubtieren beweisen ein gewisses Maß an Intelligenz und Kreativität.

  • Andere Tiere, wie z.B.
  • Schwämme besitzen kein Gehirn und sind daher überhaupt nicht zu Denkprozessen – ganz zu schweigen von Kreativität – in der Lage.
  • Diese Gegenüberstellung zwischen Oktopus und Schwamm veranschaulicht, dass unterschiedliche Tierarten in Hinsicht auf geistiges Vermögen sehr große Unterschiede aufweisen können.

An diesem Punkt muss die Frage gestellt werden, ob es nicht sinnvoller wäre, den Menschen in erster Linie als Tier zu betrachten, anstatt ihn strikt davon abzugrenzen oder ihm gar etwas Transzendentes zuzuschreiben. Dafür sprechen zum einen die biologische Verwandtschaft des Homo Sapiens mit Primaten sowie die Tatsache, dass die Gesamtheit aller Tierarten – selbst ohne Miteinbeziehung des Menschen – keinen kognitiven Einheitsbrei bildet, sondern tatsächlich signifikante Unterschiede bezüglich geistiger Fähigkeiten aufweist.

Zum anderen existiert keine spezifische Eigenschaft des Menschen, die ihn tatsächlich von allen anderen Tieren abhebt. Der Mensch ist womöglich kreativer als jedes andere Tier, kann reflektierter denken als jedes andere Tier und verfügt über eine ausgefeiltere Kommunikationsweise als jedes andere Tier.

Allerdings gibt es keine Eigenschaft, die einzig und ausschließlich dem Menschen zugehörig ist und ihn essenziell von der Tierwelt abhebt. Deshalb ist der Mensch nicht mehr und nicht weniger als ein weit entwickeltes Tier.1 Lutherbibel (1912).1.Mose 1:26, URL = https://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/1_mose/1/#1 (gesehen am 29.04.2020).2 Kratzmaier, Peter/Pfersdorff, Heike (2010): Duden.

Wie definiert sich der Mensch?

Wie definiert man „Mensch”? – 1. Gattung der Säugetiere, die auf der Erde durch eine rezente (gegenwärtig lebende) Art ( Homo sapiens sapiens ) vertreten ist. In der biologischen Systematik wird der Mensch gemeinsam mit den Affen der Ordnung der Primaten ( Primates ) zugeordnet.

Dieser Umstand weist auf tierliche Abstammung und tierliche Verwandte des Menschen hin. Der Begriff „ Primates ” wurde in älteren Systematiken mit „Herrentiere” übersetzt. Diese Art der Übertragung suggeriert einen Herrscher- oder Herrschaftsanspruch – besonders für den Menschen -, der weder biotisch gegeben noch moralisch gerechtfertigt ist.

Inzwischen hat sich die Eindeutschung Primaten (lat. primus – der Erste) durchgesetzt. Dennoch hält sich hartnäckig die Auffassung, dass der Mensch gegenüber allen anderen Lebewesen etwas Besonderes sei. Daraus wird mitunter eine Berechtigung abgeleitet, sich über andere Organismen und die Natur generell zu erheben.

  1. Sicher weist der Mensch Besonderheiten auf, die ihn als solchen charakterisieren.
  2. Hinter diesem Begriff stehen jedoch lediglich die Merkmale der Art Mensch, durch die sie sich zuverlässig von anderen biotischen Arten unterscheiden lässt.
  3. Um Fehlinterpretationen in Bezug auf die Stellung des Menschen in der Natur, gegenüber anderen Organismen und in der biologischen Systematik zu begegnen, haben sich für die menschlichen Artmerkmale die Begriffe Eigenarten oder Eigentümlichkeiten des Menschen eingebürgert.

Beschränken wir uns in dieser Hinsicht auf einige anatomische und funktionelle Kennzeichen, so ist für den Menschen typisch: Schüsselförmiges Becken, doppelt s-förmig gekrümmte Wirbelsäule, Unterkiefer mit Kinn, sehr große Oberfläche der Großhirnrinde mit Neocortex, Stimmapparat, Überkreuzung von Atem- und Speiseweg, aufrechter Gang, Universalhand mit dosierbarem Kraft- und Präzisionsgriff, artikulierte Sprache.

Weitere Eigenarten wären im Bereich der Psyche (z.B. Bewusstsein, Selbsterkenntnis, Wille) und der Sozialität (z.B. Arbeit, Institutionalisierung des Zusammenlebens) zu finden. Kurze Charakteristiken des Menschen erfassen nur einzelne seiner Seiten, z.B. Homo faber – der arbeitende, tätige Mensch, Homo loquens – der der Sprache mächtige Mensch, Homo ludens – der spielende Mensch.

Letzten Endes verbirgt sich hinter der Sonderstellung des Menschen nichts anderes als eine Anzahl artspezifischer Merkmale, so wie sie jeder Organismenart zukommt.

Was macht den Menschen aus Ethik?

Was ist der Mensch? – Collagen des Grundkurses Philosophie Der Grundkurs Philosophie hat sich im 2. Semester mit der Frage „Was ist der Mensch?” oder „Was macht den Menschen zum Menschen” beschäftigt. Sind wir im Grunde nur Tiere, die mit einer höheren Intelligenz ausgestattet sind? Oder gibt es tatsächlich einen Wesensunterschied zwischen Tier und Mensch? Die Schülerinnen und Schüler haben ihre persönlichen Antworten auf diese Fragen in Form einer Collage dargestellt und in einem schriftlichen Kommentar erläutert.

  1. Hier einige Beispiele: „ Das, was für mich den Menschen ausmacht und von Pflanze, Tier etc.
  2. Unterscheidet, ist der Geist.
  3. Aus diesem Grund habe ich den Denker in die Mitte meiner Collage gesetzt.
  4. Alle Teile dahinter sollen dazu da sein, eine annähernde Beschreibung des Geistes darzustellen.
  5. Die Negativ-Filmstreifen sollen bestimmte Denk- und Verhaltensmuster darstellen, die von Mensch zu Mensch, von Geist zu Geist, verschieden sind.

Im Kontrast dazu steht der Barcode links – vielleicht gibt es so etwas wie Individuen gar nicht, der Mensch ist nur ein Objekt, kriegt einen Code, hat ein ziemlich nebensächliches Leben und existiert nach kurzer Zeit nicht mehr. Das hängt auch mit dem Faden in der Mitte zusammen: einerseits soll das ein bisschen das Seil von Nietzsches Lehre darstellen, also dass der Mensch nur eine Überbrückung zu etwas Neuem ist, andererseits steht die Lücke auch für die vielen Unvereinbarkeiten im Geist des Menschen; wie zum Beispiel die umstrittene Frage, ob es sich beim Menschen um ein von Natur aus gutes oder böses Wesen handelt.

()” (Amelie R.) „ Im Gegensatz zu den Tieren können wir Menschen eine Handlung nach ihrer Moral beurteilen. Tiere handeln aus Instinkt, ohne ihre Handlung moralisch zu reflektieren oder im Nachhinein ein schlechtes oder gutes Gewissen zu haben. () Die rechte Seite stellt das Gewissen dar. () Auf der linken Seite habe ich dargestellt wie es ist, kein Gewissen zu haben.

Hierzu habe ich die Katze ausgewählt, welche eine Maus frisst, da das Töten bei uns eine der schlimmsten Taten ist und in der Tierwelt zum Alltag gehört. Tiere haben kein schlechtes Gewissen, da das Töten für sie unumgänglich ist.” (Mia H.) „Meine Collage habe ich auf einer Spiegelfolie erstellt und im Mittelpunkt ist ein Spiegel dargestellt.

Dies soll zeigen, dass sich der Betrachter im Spiegel anguckt und fragt, was ihn zum Menschen macht. () Um den Spiegel herum sind die Faktoren, die meiner Meinung nach den Menschen zum Menschen machen. Diese Faktoren sind: Intelligenz, Selbstreflexion, Geistesfreiheit, Moral, Kultur und Weltoffenheit.

() Moral: Bei diesem Faktor habe ich Himmel (Engel) und Hölle (Teufel), also Federn und Feuer benutzt, um die Moral darzustellen. () Die Moral macht den Menschen zum Menschen, denn sie lässt uns über unsere Taten nachdenken und vermeidet dadurch, dass unmenschliche Dinge begangen werden.

Was sind die wichtigsten Charaktereigenschaften?

Kurze Begriffsklärung: Was ist Charakter und wie definiert man einen guten Menschen? – Vorab sollten wir noch kurz die ein oder andere Definition klären! Was ist denn eigentlich Charakter? Im Duden wird er als „individuelles Gepräge eines Menschen durch ererbte und erworbene Eigenschaften, wie es in seinem Wollen und Handeln zum Ausdruck kommt” bezeichnet.₁ Man kann den Charakter also durchaus auch kurzum als Wesensart oder Persönlichkeit eines Menschen bezeichnen.

Im Alltag nehmen wir gegenüber anderen häufig eine moralische Bewertung vor, indem wir ihnen beispielsweise einen guten, schlechten oder schwierigen Charakter attestieren. Und was bedeutet es, ein guter Mensch zu sein? Für den einen ist man schon ein guter Mensch, wenn man loyal ist – für den anderen, wenn man freundlich und hilfsbereit ist.

Jeder hat da eine andere Vorstellung, weshalb eine eindeutige, allgemeingültige Definition unmöglich ist. Wir müssen es also anderweitig versuchen! Gut zu wissen: Kennst du schon das Big-Five-Persönlichkeitsmodell? Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus sind demnach die fünf Kernelemente des menschlichen Charakters.

Wann ist man ein Mensch?

Blastocyste im 8-Zellen-Stadium Der Beginn des Menschseins ist Gegenstand von Diskussionen in der Medizinethik als Teilgebiet der Philosophie, der Rechtswissenschaft sowie der Religionslehren, An ihr macht sich auch die Frage nach dem Schutz beziehungsweise dem Recht auf Leben fest, etwa im Kontext von Stammzellenforschung, Embryonenforschung, Schwangerschaftsabbrüchen und Spätabbrüchen,

Zu den Synonymen zählen oft „Leibesfrucht”, „werdendes Leben” und „menschliches Leben”. Der Beginn des individuellen menschlichen Lebens wird überwiegend mit der Befruchtung der Eizelle und der damit verbundenen Bildung eines neuen menschlichen Lebewesens mit eigener genetischer Identität, die sich von jener der Mutter und des Vaters unterscheidet, gesehen.

Teilweise wird jedoch argumentiert, dass nicht das Mensch-Sein, sondern das Person-Sein als entscheidendes Kriterium für die Trägerschaft von Grundrechten herangezogen werden müsse.2004 schrieben die Richter des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in der Entscheidung Vo gegen Frankreich beispielsweise: ” it may be regarded as common ground between States that the embryo/foetus belongs to the human race.

The potentiality of that being and its capacity to become a person – enjoying protection under the civil law, moreover require protection in the name of human dignity, without making it a “person” with the “right to life” for the purposes of Article 2.” “Having regard to the foregoing, the Court is convinced that it is neither desirable, nor even possible as matters stand, to answer in the abstract the question whether the unborn child is a person for the purposes of Article 2 of the Convention (“personne” in the French text).” Der Begriff der Person als Träger von Grundrechten wird wahlweise mit der Befruchtung, der Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter oder in einer Mindermeinung mit der Geburt – und mancherseits sogar erst mit dem Erwerb bestimmter Fähigkeiten nach der Geburt – verknüpft (s.

Recht auf Leben ). Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat diese Frage zum Beispiel ausdrücklich offengelassen. Zu den Kriterien zählen nach medizinischen Betrachtungen die Individualität, nach philosophischen Standpunkten die Entstehung des Bewusstseins (dem der Hirntod als Ende des Menschseins gegenübersteht) und nach manchen religiösen Anschauungen die Beseelung,

Was macht einen guten Menschen aus Philosophie?

Ich bin J.M. aus der 6. Klasse. Zur Zeit behandeln wir das Thema „Grosse Fragen”. Meine Frage lautet: Wann ist man eine gute Person? 1. Gibt es gute Personen? 2. Kann ich eine gute Person werden? 3. Wie wird man eine gute Person? 4. Ist man eine schlechte Person, wenn man grosse Fehler (von Diebstahl bis Mord) im Leben macht? Liebe J.M.! Philosophinnen und Philosophen versuchen seit der Antike die Frage zu beantworten, was eine gute und was eine schlechte Person ist.

Im Folgenden versuche ich dir die möglichen Antworten von drei berühmten Philosophen zu geben, nämlich von Aristoteles, Jeremy Bentham und Immanuel Kant, Aristoteles aus dem antiken Griechenland argumentiert, dass eine Person dann gut ist, wenn sie gute Charaktereigenschaften hat. Gute Charaktereigenschaften sind nach Aristoteles: Tapferkeit, Grosszügigkeit, Weisheit und Selbst-Beherrschung.

Aristoteles würde wie folgt auf deine Fragen antworten: 1. Gibt es gute Personen? Ja! 2. Kann ich eine gute Person werden? Ja! 3. Wie wird man eine gute Person? Indem man gute Personen nachahmt und versucht, sich gute Charaktereigenschaften anzueignen. Wir alle haben manchmal Angst im Leben oder denken egoistisch.

  • Aber eine gute Person kann mit Übung ihre Angst überwinden und denkt nicht mehr egoistisch.4.
  • Ist man eine schlechte Person, wenn man grosse Fehler (von Diebstahl bis Mord) im Leben macht? Es kommt drauf an, warum man einen Diebstahl oder einen Mord ausführt.
  • Wenn man einen Diebstahl oder einen Mord aus Eifersucht ausführt, eine schlechte Charaktereigenschaft, dann ist man eine schlechte Person.

Wenn man aber einen Diebstahl oder einen Mord aus Tapferkeit oder aus Weisheit ausführt, gute Charaktereigenschaften, dann ist man eine gute Person. Jeremy Bentham aus Britannien argumentiert, dass eine Person dann gut ist, wenn sie so handelt, dass möglichst viel Glück und möglichst wenig Leid entsteht.

  • Jeremy Bentham würde wie folgt auf deine Fragen antworten: 1.
  • Gibt es gute Personen? Ja! 2.
  • Ann ich eine gute Person werden? Ja! 3.
  • Wie wird man eine gute Person? Indem man immer so handelt, dass möglichst viel Glück und möglichst wenig Leid entsteht.
  • Angenommen, du findest eine 100-Franken-Note auf dem Boden.

Du kannst die 100 Franken nun entweder für dich selber behalten oder es für einen guten Zweck spenden. Wenn du die 100 Franken behältst, wirst du glücklich. Wenn du die 100 Franken spendest, werden 5 andere Menschen glücklich, du aber nicht. Eine gute Person würde die 100 Franken spenden, weil so mehr Menschen glücklich werden, als wenn du die 100 Franken behalten würdest.4.

Ist man eine schlechte Person, wenn man grosse Fehler (von Diebstahl bis Mord) im Leben macht? Es kommt drauf an, welche Folgen ein Diebstahl oder ein Mord haben. Wenn ein Diebstahl oder ein Mord dazu führt, dass viele Menschen glücklich werden, dann ist man eine gute Person. Wenn ein Diebstahl oder ein Mord dazu führt, dass viele Menschen leiden werden, dann ist man eine schlechte Person.

Immanuel Kant aus Preussen argumentiert, dass eine Person dann gut ist, wenn sie die Handlung ausführt, von der man wollen kann, dass alle diese Handlung ausführen würden. Immanuel Kant würde wie folgt auf deine Fragen antworten: 1. Gibt es gute Personen? Ja! 2.

  • Ann ich eine gute Person werden? Ja! 3.
  • Wie wird man eine gute Person? Indem man immer die Handlung ausführt, von der man wollen kann, dass alle diese Handlung ausführen würden.
  • Angenommen, du könntest deiner Freundin helfen, indem du eine Lüge erzählst.
  • Solltest du in diesem Fall lügen? Nein, weil du selber nicht in einer Welt leben möchtest, in der alle lügen würden.

Darum darfst du nicht lügen, auch wenn es deiner Freundin helfen würde.4. Ist man eine schlechte Person, wenn man grosse Fehler (von Diebstahl bis Mord) im Leben macht? Ja, man ist dann eine schlechte Person, weil eine gute Person nicht stehlen oder morden würde.

Welche menschenarten gibt es?

Vorfahren des Menschen: Merkmale Innerhalb der Gattung Homo sind die ältesten Vertreter der Homo rudolfensis und der Homo habilis. Nach ihnen folgten der Homo erectus und der Homo heidelbergensis, aus dem sich schließlich der Homo sapiens und der Homo neanderthalensis entwickelten.

Was ist der Wert eines Menschen?

Der Wert des Menschen Thomas Hobbes Aussage über den Wert eines Menschen legt folgendes dar: Die Geltung eines Menschen ist der Preis, d.h. der Wert seiner Leistung oder sein Nutzen. Dieser ist gemäss Hobbes nicht immer gleich hoch. Er hängt vom Bedarf und von der Einschätzung von Dritten ab.

Der Mensch selber kann seinen Wert nicht festlegen. Dieser Text hat für mich insofern seine Richtigkeit, dass der Mensch seinen Wert nicht aus sich heraus bestimmen kann. Die Wertigkeit eines Menschen wird von aussen beurteilt und bestimmt. Der Mensch ist als soziales Wesen den Meinungen seiner Mitmenschen ausgeliefert.

Der einzelne Mensch kann nichts direkt für seinen Wert tun. Er kann ihn nur dadurch beeinflussen, dass er gute Leistungen erbringt und sich so verhält, dass eine Wertschätzung möglich ist. Der Wert des Menschen hängt aber nicht nur von den Einschätzungen seiner Mitmenschen, sondern auch von der vorherrschenden Situation ab.

  • Die Bewertung eines Menschen bzw.
  • Seines Verhaltens kann im sozialen Umfeld schlagartig ändern.
  • Der Wert des Menschen ist nicht absolut.Z.B.
  • Braucht man im Winter ganz bestimmt keinen Eisverkäufer im Schwimmbad, während der Sommersaison ist er jedoch für die meisten wertvoll.
  • Ein dritter wichtiger Aspekt ist der Selbstwert.

Ich meine, es ist wahr, dass dieser von der Beurteilung der Umwelt gestärkt oder vermindert wird. Ein Mensch orientiert sich an dem, was von aussen an ihn herangetragen wird (Meinungen, Beurteilungen). Nicht wenn jemand einen Spruch macht, aber wenn stetig etwas Positives oder Negatives über einen ausgesagt wird, wird die Identität geprägt.

  • Die eigene Selbsteinschätzung wird überprüft.
  • Der Selbstwert, der einst hoch war vermindert sich und umgekehrt kann er sich auch erhöhen.
  • Für den einzelnen Menschen zählt nicht der Wert, der ausserhalb herrscht, sondern seine Selbsteinschätzung, welche aber von aussen gesteuert oder zumindest beeinflusst wird.

Denn der Mensch ist auf Rückmeldungen von aussen angewiesen. Ohne den Spiegel, den der andere vorhält, kann kein Individuum entstehen. Selbstwert entsteht wenn ich anderen Wertschätzung entgegenbringe. Nicht andere abwerten, um besser zu sein, sondern aufwerten und dann erhalte auch ich einen höheren Selbstwert.

  1. Dies ist einerseits richtig, doch andererseits denke ich, dass der Mensch diesem Einfluss nicht chancenlos ausgeliefert ist.
  2. Sonst wäre es Glück oder Pech, ob man eine hohe oder eine tiefe Einschätzung geniesst.
  3. Dies wäre eine grenzenlose Fremdbestimmung, was ich nicht so sehe.
  4. Der Mensch kann durch eigenes Handeln und durch eigene Kräfte seinen Wert beeinflussen, wenn er sich an übergeordneten Werten orientiert und diese umsetzt.

Er kann anderen Respekt entgegenbringen, er kann Vertrauen zeigen, er kann nach dem Gesetz handeln, er kann Gerechtigkeit säen, er kann Streite schlichten. Um es mit einem Wort zu sagen, soll er moralisch handeln. Durch alle diese Taten wird er bei den meisten, auch hier nicht bei allen Menschen, seinen Wert steigern oder halten können.

Der einzelne Mensch kann sich für seine Umwelt unentbehrlich machen. Den Wert des Menschen, denke ich kann man nicht messen, geschweige denn in Zahlen fassen, obwohl dies immer wieder durch Verleihungen von Auszeichnungen versucht wird. Man kann höchstens den Wert einer Leistung, nicht aber den Wert eines Menschen mit einem Preis versehen.

Wie überall hat jeder Mensch seine eigene Meinung. So urteilt jeder anders über den selben Menschen. Der Wert eines Menschen ist folglich nicht grundsätzlich tief oder hoch. Die einen schätzen ihn, die anderen könnten ohne ihn besser leben. Man kann auch zwei Wertarten unterscheiden, den qualitativen und den quantitativen Wert.

  1. Welcher hat mehr Gewicht? Ich finde man muss nicht eine riesige Anzahl Freunde haben, sondern einige wenige dafür gute Freunde.
  2. Das sind sichere Werte für die Zukunft.
  3. Bei denen geniesst man eine konstantere Wertschätzung.
  4. Diese Konstanz ist bei einer grossen Menge an Freunden nicht gewährleistet in diesem Fall sind die Schwankungen grösser.

Die Masse setzt ihr Fähnlein in den Wind. Das kann man auch sehr gut in der heutigen Gesellschaft beobachten. Kurzfristig werden zum Beispiel bei “Big Brother” Stars förmlich gezüchtet. Diese erhalten einen hohen quantitativen Wert, der jedoch nach wenigen Wochen bereits wieder abklingt.

Ein weiteres Argument gegen die Aussage von Hobbes steht für mich in der Bibel: Jeder Mensch wird als Abbild Gottes geboren. Die Konsequenz ist: Jeder Mensch ist gleichwertig auf der Erde. Jeder hat seinen Nutzen. Denn, wenn es den Diener nicht gäbe, gäbe es keinen Gebieter. Damit einer seinen Wert steigern kann, muss bei einem anderen der Wert sinken.

Das Wertniveau auf der Erde ist immer gleich hoch. Folglich hat jeder Mensch eine Pflicht in seinem Leben. Einen hohen Wert hat, wer sich seinen Pflichten bewusst ist. Das hat schon ein Dichter um 140 v. Chr. folgendermassen ausgedrückt. Caecilius hat gesagt: Homo homini deus est, si suum officium sciat.

Der Mensch ist dem Menschen ein Gott, wenn er sich seinen Pflichten bewusst ist. Abschliessend muss ich sagen, dass ich die Welt nicht so pessimistisch sehe, wie Hobbes das tut. Ich glaube der Wert hängt wirklich von den Einschätzungen Dritter ab. Nur kann ich deren Meinung durch moralisches Handeln beeinflussen und steuern.

Ich bin also selbst für meinen Wert bei anderen und meinen Selbstwert verantwortlich. Insofern kann ich jede Situation verändern ich muss nur aktiv sein und den Mut haben etwas zu wagen. : Der Wert des Menschen

Wie ist der Sinn des Lebens?

Was ist der Sinn des Lebens? Wie um alles in der Welt kommen wir bitteschön auf die verrückte Idee, dass das Leben – und speziell das menschliche Leben – einen vorgegebenen Sinn, einen Zweck haben könnte? Dass es einem großen Plan, so einer Art Idee folgen könnte und dass wir diese Idee, diesen Sinn bis heute nicht herausfinden konnten.

  • Blöd sind wir ja nicht, sagt Philosoph Prof.
  • Johannes Hübner: Also die Vorstellung von einem verborgenen Sinn, der irgendwie da ist, den wir aber nicht erschließen können, diese Vorstellung finde ich recht dubios. Prof.
  • Johannes Hübner, Philosoph Egal.
  • Nehmen wir an, es gäbe ihn, DEN Sinn des Lebens.
  • Anders wäre so eine Idee, so ein Zweck ohnehin kaum erklärbar – nehmen wir also an, es gäbe DEN Sinn des Lebens.

Wir würden ihn niemals herausfinden, sagt Biochemiker und Evolutionsbiologe Prof. Andreas Beyer. Denn die Frage nach dem Sinn des Lebens, wäre immer auch die Frage nach dem großen Warum. Wir müssten immer weiter fragen, nach der Antwort auf die Frage, warum es uns gibt, lauert die Frage, usw.

  • Prof. Beyer hebt die Arme und sagt: “Da sind wir raus.” Denn dann müssten wir irgendwie beantworten können, warum das Weltall so ist, wie es ist.
  • Und eine grundsätzliche Antwort darauf, warum die Welt so beschaffen ist, dass sie offensichtlich für das Leben günstig ist, diese Antwort kann man nicht geben.

Jedenfalls nicht naturwissenschaftlich. Prof. Andreas Beyer, Biochemiker und Evolutionsbiologe Wieso kommen wir also auf die Idee, dass es einen Sinn des Lebens geben könnte und scheitern immer wieder daran, herauszufinden, worin er besteht? Philosoph Prof.

Gert Scobel hat dafür eine Erklärung. Er sagt: Wir wünschen uns so sehr, dass es diesen Sinn gibt, wir wünschen uns so sehr, dass unsere kurze Existenz auf diesem Planeten Teil eines großen Plans, einer großen Idee ist. Wir wissen, dass wir sterben, wir wissen, das nichts von Bestand und Dauer ist. Dass wir es einfach hassen, mit unserer eigenen Fehlbarkeit und Endlichkeit der Erkenntnis umzugehen und wir wollen, dass das ein Ende hat.

Und das andere ist, dass wir etwas suchen, was uns in den Irrnissen und Wirrnissen des Lebens, durch die Widerstände, denen wir begegnen, hindurchträgt. Also etwas, wie Luther sagen würde, was sich in Leben und Sterben bewährt. Das hätten wir bitte auch gerne.

Prof. Gert Scobel, Philosoph Das eine ist also der Wunsch nach einer beständigen und ewigen Wahrheit. Nach so einer Art allgemeingültiger Betriebsanleitung für das Leben. Dass wir am Ende sagen können: “So, alles erfüllt. Gut gemacht, mehr ging nicht.” Das andere ist, wir können nicht anders als nach einem Sinn suchen, wir sind so.

Wir sind so gemacht. Unsere Entscheidungen, gemeinsam etwas zu tun, Dinge zu teilen, Entbehrungen auf uns zu nehmen, das alles setzt einen Sinn voraus. Ohne diese Kategorie “Sinn” können wir nicht handeln, sagt Biochemiker Prof. Andreas Beyer: Und dazu gehört eben auch, ständig nach Begründungen zu fragen.

  • Wir sind die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die faktisch nichts tun, ohne einen Grund dafür angeben zu können. Prof.
  • Andreas Beyer Die Lieblingsfrage unseres ist die Warum-Frage.
  • Darum dreht sich im Grunde alles: Warum, warum, warum? Unser Hirn ist streng genommen eine Sinn-Suchmaschine.
  • Aus den Eindrücken des Lebens versucht es in sekundenschnelle Muster, Systeme, Strukturen – also eine Idee hinter allem zu suchen und zu finden.

Gert Scobel mit so einer Art Arbeitsplatzbeschreibung unseres Gehirns: Es gibt schöne Experimente, die zeigen, was passiert, wenn man Menschen vor sogenanntes weißes Rauschen setzt, also einfach das Auftauchen von weißen Punkten auf der Leinwand. Das ist ein völlig zufälliger Prozeß und trotzdem entdecken Menschen, oder glauben besser gesagt, in diesem völlig zufälligen Rauschen, ein Wort zu erkennen, ein Bild zu erkennen, ein Gesicht zu erkennen, was auch immer.

  • Prof. Gert Scobel Und da das Leben so zufällig ist wie das weiße Rauschen, gibt es zwar kein erkennbares Muster, aber trotzdem findet – oder besser erfindet – unser Hirn eins.
  • Und zwar jedes Hirn sein eigenes Muster.
  • Jeder Mensch trägt also seine eigene Idee vom Sinn des Lebens mit sich herum.
  • Das klingt alles sehr logisch, nachvollziehbar.

ABER das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen den großen Plan erkennen, nicht irgendetwas erfinden. Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet der Glaube. Das heißt, ich kenne DEN Sinn des Lebens zwar nicht, ich weiß nicht, was der Zweck meiner Existenz ist, aber ich vertraue darauf, dass es trotzdem einen gibt, sagt der Theologe Prof.

Friedemann Stengel: Ich vertraue an dieser Stelle darauf, dass der Zweck meines Lebens in einer ganz sicheren Hand aufgehoben ist. An einem Ort, der sich mir verbirgt, aber an den ich glaube. Ich weiß, dass die Antwort nach dem Zweck meines Lebens nicht von mir selber beantwortet werden muss. Ich bin davon entbunden.

Ich bin frei davon, von dieser Frage. Das ist bei Gott aufgehoben. Prof. Friedemann Stengel, Theologe Bei der Suche nach dem Sinn des Lebens steht die Welt uns also offen. Das ist großartig und fatal zugleich. Wir können alles zum Sinn unseres Lebens erklären oder uns auf die Suche machen und uns darin verlieren.

Und immer stellen wir uns die Frage: Was tun wir hier eigentlich? Ist es das wert? Was ist danach, wenn das vorbei ist? Leben wir immer nur von da nach da? Sind die Urlaube immer unser Lebensziel? Was wäre das schön, wenn wir ihn hätten, DEN Sinn des Lebens, das Geländer, an dem wir uns festhalten und entlanghangeln könnten, ohne uns vor der Bilanz unseres Lebens fürchten zu müssen.

Sollten wir nun besonders bedeutende Dinge tun? Höhere Maßstäbe an unser Leben setzen, die weit über unsere eigenen Egoismen hinausgehen? Sollten wir, wenn wir den Sinn unseres Lebens definieren, nur uns selbst wichtig nehmen? Egal, welchen Sinn wir unserem Leben geben – sagt Philosoph Prof.

  • Johannes Hübner –, alles hat seine Berechtigung: Kinder groß zu ziehen, wäre eine Möglichkeit.
  • Aber auch einen Haufen Geld anzuhäufen, wäre eine andere Möglichkeit.
  • Man kann sein Leben für den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit einsetzen.
  • Man kann sein Leben aber auch daran setzen, ein Leben als Fußballfan zu führen oder man kann sein Leben durch Hingabe an andere Personen führen.

Allgemein wird das so sein, dass man dem eigenen Leben dadurch Sinn gibt, dass man etwas tut, was man für sich für wichtig hält, was einem am Herzen liegt. Prof. Johannes Hübner Wenn es um den Sinn des Lebens geht, spielen und Bauch eine wichtige Rolle.

Ist auch etwas, das uns glücklich und zufrieden macht. Seinen Platz in der Welt zu finden, ist eine hochemotionale Angelegenheit, sagt Philosoph Scobel – jenseits irgendwelcher Theorien: Es geht ja auch darum, sich zuhause zu fühlen, angekommen zu sein. Also da schwingen ja auch ganz viele emotionale Aspekte mit.

Einer der Gründe, warum wir nach Sinn suchen, ist auch, weil wir in unserem Leben anderen etwas schuldig bleiben oder schuldig werden und nach etwas wie Vergebung suchen. Auch das spielt eine Rolle bei der Sinnfrage. Prof. Gert Scobel Schuld und Vergebung, Gerechtigkeit, Liebe und Moral – auch das sind Begriffe, die untrennbar mit dem Sinn des Lebens zu tun haben.

Sie sind entscheidende Motive, Dinge zu tun oder zu lassen, sie sind Richtlinien,, wie sie sich behandeln. Biochemiker Beyer bezeichnet diese Fragen als unverzichtbaren Kitt, der unsere sozialen Gemeinschaften zusammenhält. Offensichtlich gibt es auf dieser Welt keine Gesellschaft, die ohne Moral auskommt.

Selbst Verbrecherorganisationen haben eine Moral, und was für eine, und wehe man verstößt dagegen. Es gibt also kein menschliches Miteinander ohne Warum, ohne Sinnkriterien, ohne Moral. Schon allein aus dem Grund ist Ethik, ist Weltsicht etwas real Existentes.

  1. Und die Tatsache, dass es ‘nur’ in unseren Köpfen existiert, macht die Sache dadurch nicht schwächer. Prof.
  2. Andreas Beyer Hat man für sich einen Sinn des Lebens gefunden, will man sich in die Gemeinschaft einbringen, oder alles zerstören, oder sich aus allem raushalten, ist das noch lange nicht das Ende der Sinnsuche.

Auch das ist eine Erfahrung. Man ist selten ein Leben lang ein Revoluzzer, ein Karrierist oder ein freiwilliger Sozialarbeiter, auch die Fürsorge um die Kinder findet irgendwann ein Ende oder wenn es irgendwann in der Südkurve zu kalt wird, stößt auch die Sinnsuche als Fußballfan an ihre Grenzen, weiß Theologe Prof.

  1. Friedmann Stengel: Wir sind ein Leben lang auf der Suche, was unsere Identität betrifft.
  2. Wir sind in einem ununterbrochenen Prozess der Identifizierung, wir beziehen auch nur Positionen, die vorläufig sind und das hängt damit zusammen, wie wir uns gegenüber unserer Umwelt verhalten, gegenüber unseren Prägungen, unseren Erwartungen und natürlich auch gegenüber der Frage, was der Zweck unseres Daseins ist.

Das halte ich für eine extrem entscheidende Frage, weil sie unser Handeln ständig bestimmt. Prof. Friedmann Stengel Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist also niemals zuende. Solange wir atmen, werden wir zweifeln, ob unser Leben sinnvoll war oder nicht.

  1. Der eine mehr, der andere weniger.
  2. Tröstend ist, dass es allen so geht und dass es DEN großen Sinn des Lebens nicht gibt, und auch niemals geben wird.
  3. Denn wenn wir die sind, die den Sinn in die Welt bringen, dann liefert die Sinnfabrik, solange es Menschen gibt, immer neue Exemplare – sagt Philosoph Gert Scobel: Allein schon deshalb ist nicht eine einzige Antwort möglich, weil ständig neue Menschen geboren werden und mit jedem neuen Menschen kommt eine neue Perspektive auf die Welt, die einmalig ist.

Und diese einmalig neue Perspektive könnte ja – rein theoretisch – die Antwort auf den Sinn des Lebens und aller Fragen bieten. Prof. Gert Scobel : Was ist der Sinn des Lebens?

Ist der Mensch ein besonderes Wesen?

Aber Affen und Krähen können Werkzeuge nicht einsetzen, um damit Autos zu bauen. Sind wir in der Evolution nicht weiter gekommen und somit fortschrittlicher? – Cordellier: Alle Lebewesen, die heute existieren, haben sich im Zuge der Evolution über Jahrtausende entwickelt und dabei unterschiedlichste Fähigkeiten entwickelt.

Einige Arten können Gift absondern, um sich zu schützen, andere können sich ihrer Umgebung anpassen, wieder andere sind geschickte Baumeister. Man kann vielleicht sagen, dass wir Menschen uns sehr gut entwickelt haben, aber nicht, dass wir in der Evolution weitergekommen sind als andere Organismen. Es kommt darauf an, was man als weiterentwickelt betrachtet.

Christoph Seibert: Wir sind anders, aber deshalb nicht zwangsläufig besser. Der Mensch verfügt über Kompetenzen, die sich zumindest nicht in gleichem Maße anderen Tieren zuschreiben lassen. Wir können etwa abstrakt denken und mit Begriffen wie Gesetz oder Kosmos umgehen, die sich auf große Zusammenhänge beziehen.

Man kann auch sagen, dass wir unser Leben unter Einschluss von übergeordneten Gesichtspunkten wie Normen und Prinzipien führen. Dadurch sind wir nicht auf unsere nächste Umwelt beschränkt, sondern können sie überschreiten. Diese Fähigkeit ist grundlegend für vieles andere. Cordellier: Was uns auch auszeichnet: Wir forschen.

Man kann wohl nicht sagen, dass andere Tiere unsere Umwelt so systematisch ergründen, wie wir es tun. Und wir tun das ja nicht, weil wir nach Nahrung suchen, sondern einfach, um Dinge zu verstehen. Oder nehmen wir Kunst und Literatur: Dass man nur eines Objektes wegen etwas tut, also zum Beispiel ein Bild malt oder ein Buch schreibt, das gibt es nur beim Menschen.

  • Seibert: Jede Gattung ist etwas Besonderes.
  • Aber der Mensch lebt in seinen Räumen zumindest anders als Tiere, weil er andere Möglichkeiten hat.
  • Diese Möglichkeiten rühren letztlich daher, dass der Mensch nicht mit sich identisch ist.
  • Er ist kein „festgestelltes” Tier.
  • Er kann sich vielmehr von sich selbst unterscheiden, ein Selbstbild ausbilden und sich etwa über Sprache von seiner Umwelt distanzieren.

Darin liegt der Grund, dass er überhaupt Verantwortung wahrnehmen kann, aber auch, dass er sich gegenüber sich selbst verfehlen kann. Beides ist Tieren nicht möglich.

Was prägt den Menschen?

Was ist der Ursprung von Persönlichkeit? – Mit dieser Frage beschäftigt sich die Psychologie schon lange und man ist sich einig, dass jedes Persönlichkeitsmerkmal sowohl von der genetischen Veranlagung, als auch durch Lernerfahrungen, sogenannte Sozialisation, beeinflusst wird.

  1. Der jeweilige Anteil von Anlage und Umwelt ist bei den einzelnen Merkmalen sehr unterschiedlich.
  2. Während beispielsweise die Intelligenz stark von unseren Genen abhängig ist, werden Einstellungen und Motive eher von unserer Erziehung beeinflusst.
  3. Wenn man sich mit der Frage, wie man sich selbst persönlich weiterentwickeln kann, beschäftigt, sind vor allem die Persönlichkeitsaspekte interessant, die durch die Umwelt beeinflusst werden, da diese weniger „festgelegt” sind, als die genetischen Anlagen.

Die gute Nachricht: Jedes Persönlichkeitsmerkmal trägt einen signifikanten Anteil in sich, der durch Lernerfahrungen geformt wird. Das bedeutet: Keine Eigenschaft eines Menschen ist vollständig seit der Geburt festgelegt. Das heißt: Zu einem großen Anteil kannst du selbst entscheiden, wer du sein willst!

Was ist die häufigste Persönlichkeit?

Das Myers-Briggs-Persönlichkeitsmodell unterscheidet zwischen 16 verschiedenen Persönlichkeitstypen, Der in der Bevölkerung mit Abstand am häufigsten vorkommende Persönlichkeitstyp ist der ISTJ. Rund 13 % aller Menschen lassen sich als ISTJ klassifizieren.

ISTJ-Persönlichkeiten zeichnen sich durch Einsatzbereitschaft, praktische Logik und Integrität aus. Eine andere geläufige Bezeichnung für den ISTJ ist Logistiker. Diese Bezeichnung bringt die wesentlichen Charakterzüge der ISTJ-Persönlichkeit sehr treffend zum Ausdruck. Logistiker arbeiten gerne faktenorientiert und halten sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf.

Sie sind in allen Lebensbereichen sehr zielstrebig und erfolgreich. Von emotionalen Bedürfnissen fühlen sich Menschen dieses Persönlichkeitstyps jedoch schnell überfordert,

Wie definiert die Philosophie der Begriff Mensch?

Schwerpunktbeitrag: Mensch und Person Tilman Borsche Bei einer derartigen Begriffserörterung wird man nicht erfahren, was der Mensch oder was die Person ist. Bedeutungsfragen kennen keine endgültigen Antworten. Kein Wort hat Bedeutung an sich; gerade deshalb sind Worte so aufschlußreich und beunruhigend.

Aber man wird vieles wiedererkennen. Was ich hier betreibe, ist Spurensuche im Feld der Begriffe. Der Weg ist die Botschaft. Folglich werden meine Ausführungen auch nicht abgeschlossen sein; sie führen nicht zu einem Ergebnis, das man getrost mit nach Hause nehmen könnte. Man könnte allerdings lernen, die beiden in Frage stehenden Begriffe, ‚Mensch’ und ‚Person’, nachher etwas vorsichtiger zu verwenden.

Damit wäre schon viel erreicht. I Der Mensch Mag der Mensch auch immer wieder als eine Doppelnatur verstanden worden sein, zusammengesetzt aus Leib und Seele, Geist und Körper, Trieb und Vernunft oder wie immer die beiden Seiten genannt zu werden pflegen, und mag in dieser Dualität die unkörperliche Seite, nämlich Seele, Geist oder Vernunft in der Regel als das Höhere, das Bessere, das Eigentliche bezeichnet worden sein, so ist mir doch keine Definition bekannt, die den Menschen als unkörperliches Wesen bestimmt (trotz Platon, Alcib.

  • I, 129e, 130c: ‚Was ist der Mensch? Die Seele ist der Mensch’).
  • Zuerst und vor allem ist der Mensch ‚animal’, d.h.
  • Ein Naturding (Körper), das lebendig (beseelt) und mit Sinnen begabt ist.
  • Häufig gelten zwar der Körper, das Leben, die Sinne als minderwertig, und in diesem Sinn wird der Mensch als eine Seele bestimmt, die nur vorübergehend in einem Körper zu hausen genötigt ist.

Doch wenn sich eine solche Seele von ihrem Körper löst, dann ist sie eben reine Seele, reiner Geist, reine Intelligenz – und nicht mehr Mensch. Der Mensch bleibt das Sinnenwesen, das sich von anderen Sinnenwesen wesentlich dadurch unterscheidet, daß es in dem angedeuteten spannungsreichen Verhältnis zu einem ihm möglicherweise vorgeordneten, es lenkenden und leitenden Anderen, etwas Übernatürlichem, jedenfalls Nichtkörperlichem steht.

In der bekannten aristotelischen Definition des Menschen als animal rationale ( zôon lógon échon ) erscheint dieses Andere als die spezifische Differenz des Menschen, der innerhalb der Ordnung der Natur zur Gattung der Sinnenwesen gehört. In der Regel bezeichnen spezifische Differenzen der Naturwesen natürliche Differenzen.

Das ist hier offensichtlich nicht der Fall. Die Differenz bezeichnet vielmehr etwas Übernatürliches, etwas Göttliches im Menschen. Doch wenn das so ist, wer soll diese übernatürliche Differenz bestimmen, d.h. das Wesen des Menschen, insofern dieser nicht zur Ordnung der Natur gehört? – Zunächst ist es die Theologie, die diese Aufgabe übernimmt.

Doch macht der Mensch mit Gottes Maß gemessen keine gute Figur, er erfährt sich als von Geburt an sündig und weiß, daß nur die Gnade des Herrn ihn retten kann. Auch die Philosophie versucht sich in der Bestimmung des Menschen. Philosophisch betrachtet erscheint der Mensch in vielerlei Gestalt, als das denkende, sprechende und lachende, das exzentrische oder Zeichen gebrauchende Lebewesen, oder als dasjenige, das im Leben seinen Tod voraussieht und im Handeln um seine Endlichkeit weiß.

Aber beide, Theologie und Philosophie, verhandeln die Frage nach dem Menschen nicht nur als Frage nach einem Naturwesen. So verhandelt, gehört diese Frage in die Hände der Naturwissenschaft, näher in die Hände von Biologie und Psychologie. Von Naturwissenschaften aber darf man nichts Unangemessenes erwarten.

Das zuvor genannte Spezifikum des Menschen, das Übernatürliche oder Göttliche in ihm, heiße es nun Seele, Geist, Vernunft oder noch anders, gehört nicht zur Ordnung der Natur, es kann also gar nicht Gegenstand einer Naturwissenschaft sein. Wenn die Wissenschaft den Menschen rein als Naturwesen bestimmt, dann kann man wohl zu interessanten Ergebnissen gelangen, aber man wird nichts über die göttliche Vernunftnatur ‘in’ ihm erfahren, weil diese nicht im Horizont der Wissenschaften von den Naturdingen liegt.

Nun belehrt uns sowohl die moderne Evolutionsbiologie als auch die moderne Evolutionspsychologie darüber, daß der Mensch, rein als Naturwesen betrachtet, nicht nur irgendwie vom Affen abstammt, sondern zum allergrößten Teil (noch) Affe ist. Die Gene und der Bauplan des Körpers, die Instinkte und Emotionen, Ängste und Aggressionen, Sorgen und Freuden, die Wahrnehmungen und eine breite Palette von vererbten Verhaltensmustern, das alles teilen wir, mehr oder weniger deutlich nachweisbar, mit unseren Vettern und Cousinen aus der afrikanischen Savanne.

  • Eine naturwissenschaftlich orientierte Anthropologie fragt: Welche Merkmale müssen zusammenkommen, damit ein gegebenes Ding ein Mensch ist, damit, was mir vorliegt, mit Recht ‚Mensch’ genannt und von andersartigen Dingen deutlich unterschieden werden kann? Die Antwort darf nur natürliche, d.h.
  • Letztlich wahrnehmbare Merkmale angeben, die am Individuum als dem Gegenstand der Untersuchung meßbar, mithin überprüfbar sein müssen.

‚Dies ist ein Mensch, oder es ist kein Mensch.’ Definitionen dieser Art sind charakteristisch für die Wissenschaften von den Naturdingen. So haben die Griechen, nicht ohne Ironie, den Menschen als ein ungefiedertes zweifüßiges Lebewesen bestimmt (Platon, Politikos, 266e; vgl.

  • Def.415a).
  • Man kann diese Definition leicht verfeinern und kommt schließlich zu einem befriedigenden Ergebnis.
  • Der Mensch ist eine endogame Spezies der (Wirbel-)Tiere, dessen unterschiedliche Verwandtschaftsgrade zu anderen (Wirbel-)Tierarten sich mit einiger Plausibilität und Wahrscheinlichkeit in einem Stammbaum darstellen lassen.

– Warum aber bleibt dieses korrekte und wissenschaftlich kaum bestreitbare, bestenfalls verbesserungsfähige Ergebnis dennoch letztlich so außerordentlich unbefriedigend? II Die Person Der Begriff der Person hat keine natürliche, sondern eine soziale Herkunft.

  • Er stammt aus dem griechischen Theater – hier bedeutet er Maske und Rolle – und wurde bald ins Gerichtswesen, eine ernstere Form von Theater, übernommen.
  • In einer berühmten Passage unterscheidet Cicero vier Rollen, die wir im Leben zu spielen haben, als vier ‚Personen’: erstens, die Rolle, die uns als Mensch überhaupt zufällt, zweitens die Rolle unseres individuellen Charaktertyps, drittens die soziale Rolle, in die wir geboren sind, und schließlich viertens die Rolle, die wir im Rahmen der drei anderen Rollen für unseren Lebensweg frei wählen ( De officiis 1, 107-125).

Auch die griechischen Grammatiker scheinen durch die drei prósopa des griechischen Dramas (Protagonist, erster Sprecher; Deuteragonist, zweiter Sprecher oder der Angesprochene; der Chor) dazu angeregt worden zu sein, die drei Sprecherrollen des Verbs bzw.

des Pronomens ebenfalls als prósopa zu bezeichnen, was im Lateinischen mit ‚ personae’ wieder-gegeben wurde: Denn es gibt dreierlei Personen, die, die spricht, die, zu der, und die, von der/über die gesprochen wird (cum perso-narum natura triplex esset, qui loqueretur, ad quem, de quo (Varro, De lingua latina 8,20)).

Die antiken Theologen greifen den Begriff der Person auf, um ihrer Sprachnot in Bezug auf das Problem der Trinität abzuhelfen. Gott ist ein Wesen bzw. eine Substanz, aber zugleich drei Personen, heißt es nun. Seither wird ‚Person’ in der Regel verbunden mit einem oder mehreren der Begriffe ‚Individualität’, ‚Vernunft’, ‚Würde’, ‚Relationalität’.

Damit gerät die Person in einen immer deutlicheren Gegensatz zur Substanz. ‚Substanz’ bezeichnet ein ‚quid’ und damit etwas Allgemeines, einen Begriff, ‚Person’ dagegen ein ‚quis’ und damit etwas Individuelles, Einzigartiges, Unmitteilbares. Im 12. Jahrhundert verbreitet sich die alte Formel, daß die Person im Gegensatz zu den Naturdingen eine Rechtssache ist (persona res iuris est, substantia res naturae), die stets mit den Begriffen der Autorität und der Würde verbunden ist.

Diese Bestimmung nennt nicht einfach ein natürliches Akzidens, das an einer Substanz inhäriert (wie die Farbe oder das Gewicht einem Naturding), sondern zeigt an, daß ein natürlich Seiendes auch noch einem anderen Seinsbereich als dem der Naturdinge angehört, nämlich dem seit dem 12.

  1. Jahrhundert so genannten ‚moralischen Sein’.
  2. Das moralische Sein aber ist durch Freiheit bestimmt.
  3. Eine Person ist Person nicht aufgrund ihrer natürlichen Merkmale, sondern aufgrund ihrer (sittlich-moralisch-rechtlich-sozialen) Relationen zu anderen Personen.
  4. Die Relation ist das, was das moralische Sein ausmacht (relatio constituit personam).

In diesem Sinne kann man sagen: ‚ Eine Person ist keine Person’ ; denn eine Person ist, was sie ist, erst in Relation zu anderen Personen. Im Fall der Person ist die Kategorie der Relation also nicht als ein Akzidens gedacht, noch dazu als ein besonders schwaches, äußerliches, das die Sache selbst gar nichts anzugehen scheint, sondern als eine konstitutive Kategorie, die, man kann es in aristotelischen Termini nur paradox ausdrücken, substanziellen Charakter hat.

Doch erst ein neuzeitliches Denken vollzieht hier den endgültigen Bruch mit der aristotelischen Naturphilosophie, indem es die Trennung von Person und natürlicher Substanz vollendet. Das zweite Buch des Hauptwerks von Thomas Hobbes, Elementa Philosophiae, handelt „Vom Menschen” (De homine); dessen 15.

und letztes Kapitel trägt den Titel „Vom fingierten/künstlichen Menschen, d.h. von der Person” (De Homine Fictitio, sive de Persona). Die einschlägige Definition lautet: „Eine Person ist der, dessen Worte oder Handlungen entweder als seine eigenen angesehen werden, oder als solche, die die Worte oder Handlungen eines anderen Menschen oder Dinges vertreten, denen man sie tatsächlich oder durch Fiktion zuschreibt.” ( Leviathan, 16.

Ap. entsprechend De homine, 15. Kap.) In anderen Worten heißt das: Person (‚Actor’) ist, wer im Namen eines Rechtssubjekts spricht bzw. handelt, sei es für sich selbst als Rechtssubjekt oder für jemand/etwas anderes als Rechtssubjekt, wodurch diesem (als ‚Author’) ein Wille zugesprochen wird. Aus dieser Definition ergibt sich für das Rechtssubjekt folgendes: Erstens braucht das Rechtssubjekt einen Sprecher (z.B.

die eigene Person), und zweitens braucht es die Anerkennung seiner Person als ein durch, gegenüber und unter andere(n) Personen verantwortlicher Willensträger. Auch hier gilt, daß eine Person keine Person ist. Die Person (als Sprecher, ‚Actor’) muß ein Mensch sein; für das handelnde Subjekt (als Willensträger, ‚Author’), für das die Person spricht, gilt das nicht.

  • Im Menschen, der ein Naturwesen ist, können beide Funktionen zusammenfallen.
  • Der Mensch, insofern er als Person anerkannt ist und für sich selbst spricht (d.h.
  • Seinen Willen erklärt), gilt daher als eine ‚natürliche’ Person.
  • Doch das muß nicht so sein; diese Verbindung ist weder dem Menschen noch der Person wesentlich.

Weder sind alle Menschen Personen, noch sind alle Personen Menschen. Wer oder was Autor bzw. Darsteller – diese Differenz ist das, was die Person ausmacht – ist (oder sein soll), empfängt dieses Sein durch Institution : „Inanimate things, as a Church, an Hospital, a Bridge, Likewise Children, Fooles, and Mad-men An Idol, The true God may be Personated” ( Leviathan I 16)), indem ihnen ein Wille zugesprochen und zugebilligt wird, indem sie in ihrem Sprechen bzw.

Durch ihren Sprecher als natürliche bzw. als künstliche (z.B. juristische) Personen anerkannt sind. Das Sprachrohr (porte-parole) des Willens, das der Person so wesentlich ist wie der Wille selbst, ist immer ein Mensch oder, genauer gesagt, eine natürliche Person (aber wir kennen keine anderen natürlichen Personen als eben Menschen).

Das erste Beispiel künstlicher Personen, die ihren Willen nicht durch sich selbst, sondern durch Menschen kundtun, dürften die Götter gewesen sein. Sie äußern ihren Willen z.B. mittels natürlicher Zeichen, indem diese durch autorisierte Sprecher gedeutet werden, oder durch Propheten, die dazu autorisiert sind, in ihrem Namen zu sprechen.

Doch nicht nur Götter werden personifiziert. Alles was kraft Übereinkunft unter Sprechern mit eigenen Rechten investiert wird, wird dadurch zu einer Person erklärt; auch Menschen, die der Sprache nicht (nicht mehr oder noch nicht) fähig sind; insbesondere aber Institutionen, deren größte, mächtigste und für Hobbes wichtigste der Staat ist.

Der Staat ist die Person der Personen, da er alle anderen, künstliche wie natürliche Personifizierungen erst autorisiert, indem er ihnen Bestand und Dauer sichert, die sie von Natur aus nicht haben. An Hobbes wird besonders deutlich, daß das Sein der Person sich in Rechten artikuliert, deren Seinsweise das Anerkanntsein ist.

  • Der freie Wille ist nichts, wenn er nicht andere Freiheit, anderen Willen bestimmt, ihn zu berücksichtigen.
  • Daß ein natürlicher Gegenstand, der Gewicht hat, nach unten fällt, daß ein Hase vor dem Fuchs flieht, so gut er kann, ist keine Sache der Freiheit und des Willens, sondern der Natur.
  • Aber daß dieser Gegenstand mir gehört und nicht Dir, das ist eine Sache, die nur im Reich der Freiheit Bedeutung hat, weil es eine Sache der Willkür, des Gesetzes, der Anerkennung ist.

Die Natur kennt kein Eigentum, sie kann eine solche Anerkennung nicht bewirken. Erst jetzt stellt sich die Frage nach dem ‚und’ in dem Titel ‚Mensch und Person’, und zwar als die moralische Frage nach dem natürlichen Ort der Person. Personen existieren nicht in der Natur, vielmehr wird etwas von natürlichen Sprechern, d.h.

Von Menschen, zu einer Person gemacht, d.h. erklärt. Personifizierbares Etwas kann alles sein, was fähig ist, von denselben Sprechern identifiziert und mit einem Namen belegt zu werden, d.h. alle Gegenstände des Denkens. Bekanntlich betraf die Personifizierung vor allem Menschen, Götter, Tiere und andere Naturdinge, aber auch künstliche Bildungen wie Götzen oder Staaten.

Die Realisierung einer solchen Verbindung ist nicht nur kontingent, sondern auch wesentlich arbiträr, d.h. nicht natürlich, sondern künstlich. Sie ist ein Produkt der Freiheit, ein historisches Ereignis. Was uns nun interessiert, ist die Personifizierung des Menschen.

Für die historische Verbindung von Mensch und Person müssen wir noch einmal einen Schritt hinter Hobbes zurückgehen in die Zeit, in der die christliche Theologie sich im Rahmen der aristotelischen Naturphilosophie artikulierte. In diesem Zusammenhang war es eine ganz besondere, glückliche, jedenfalls außerordentlich folgenreiche historische Entwicklung, daß in den zuvor nur sehr knapp angedeuteten theologischen Spekulationen Menschsein und Personsein eine dauerhafte, durch die herrschende Religion sanktionierte Verbindung eingegangen sind.

Die Keimzelle dieser Verbindung ist das Dogma von der Doppelnatur Christi. Christus ist seinem Wesen/seiner Natur nach sowohl Gott als auch Mensch. In ihm und durch ihn wird die über allen Vergleich erhabene Würde Gottes auf die Natur des Menschen übertragen.

  1. Natur des Menschen ist hier aristotelisch verstanden, d.h.
  2. Sie gilt unterschiedslos für alle Individuen, die unter den Begriff des Menschen fallen, mithin zur menschlichen Spezies gehören.
  3. Allein aufgrund der in Christo exemplarisch verwirklichten Teilhabe an der göttlichen Natur Christi ist die menschliche Art in besonderer Weise aus dem übrigen Kreis der lebendigen Natur herausgehoben.

Durch kein natürliches Merkmal ließe sich die Würde des Menschen vor allen anderen Lebewesen rechtfertigen. Selbstverständlich trifft und verträgt sich diese theologische Begründung gut mit der antiken Bestimmung der menschlichen Natur durch die Vernunft, insofern diese ja auch ‚von außen’ kommen soll und uns den Göttern ähnlich macht.

  1. Doch wie der Fortschritt in den biologischen Wissenschaften gezeigt hat, reicht die Vernunft, wenn man sie als ein natürliches Merkmal des Menschen betrachtet und untersucht, letztlich nicht aus, um den Menschen radikal aus dem Tierreich heraus- und über dieses hinauszuheben.
  2. Vernunftfähigkeit (unter dem Namen der Intelligenz) findet sich in Ansätzen auch bei anderen Lebewesen, und aus heutiger Sicht der Biologie spricht nichts dagegen, daß die natürliche Vernunft auch in ihrer spezifisch menschlichen Ausprägung natürlich erklärt werden kann.

III Wertschätzung des menschlichen Lebens Samuel Pufendorf (1632-1694), der bedeutendste Naturrechtslehrer der frühen Neuzeit und Kritiker von Hobbes, geht von einem theologisch bestimmten Menschenbild aus, das den Menschen als Naturwesen (oder obwohl Naturwesen) doch durch Vernunft und Freiheit bestimmt ansieht.

Nach Pufendorf und der ihm folgenden Naturrechtstradition ist das menschliche Individuum von allen übrigen Dingen dieser Welt nicht nur spezifisch, sondern wesentlich unterschieden. Denn es ist beides, Naturwesen und Freiheitswesen – und das heißt für Pufendorf Person, Als Personen und nur als Personen, nicht als Naturwesen, sind die Menschen infolgedessen auch gleich.

In dieser theologisch begründeten Tradition einer Metaphysik der Freiheit aber stehen auch die Menschenrechtsdiskussionen des 18. Jahrhunderts, deren Ergebnisse in die Verfassungen der modernen Demokratien eingegangen sind. Grundlage war und ist dabei stets der eine Gedanke: Der Mensch soll qua Mensch als Person anerkannt werden – nicht erst kraft eines Amtes, eines verliehenen Rechts oder auch adeliger Geburt.

  1. Folglich gelten sein Leben, die Unverletzlichkeit seines Leibes sowie weitere Schutzbestimmungen und Freiheiten als höchstrangige Rechtsgüter.
  2. Sie kommen dem Menschen als Person zu und sind in diesem Sinn unveräußerlich.
  3. Denn sie können einem Menschen nur genommen werden, indem man zugleich seine Person zerstört, d.h.

indem man ihm die Anerkennung verweigert, die ihm als einem Kind Gottes eo ipso zukommt. Ein Jahrhundert nach Pufendorf waren diese metaphysischen Prinzipien des Naturrechts – losgelöst von ihren theologischen Ursprüngen – bereits zu Grundsätzen der Selbstauslegung des Denkens geworden, die unter den aufgeklärten Zeitgenossen weitgehend anerkannt wurden.

In den eher nach Prinzipien der Hobbesschen Staatstheorie absolutistisch regierten Staaten Europas hatten sie jedoch in der Praxis wenig Geltung. Sie mußten als ‚Menschenrechte‘ zunächst verkündet und propagiert, sodann in den beiden großen Revolutionen des 18. Jahrhunderts, der amerikanischen und der französischen, erkämpft werden, bevor sie in den neu entstehenden Demokratien zu Verfassungsgrundsätzen erhoben werden konnten.

Was ist da geschehen? Subtile Unterscheidungen, die zunächst (im 13. Jahrhundert) zur Lösung spezieller theologischer Probleme eingeführt und später (im 17. Jahrhundert) zu einer neuen Grundlegung des Naturrechts verwendet worden waren, wurden nun (im 18.

Jahrhundert) in einer beispiellosen ‚Aufklärungs’-Kampagne, die sich gleich mit diesem Namen selbst benannte und die gesamte europäisch geprägte Welt erfaßte, mit so durchschlagendem Erfolg dem öffentlichen Bewußtsein eingepflanzt, daß sie schließlich als evidente, unbezweifelbar gewisse Wahrheiten verkündet werden konnten: Der zentrale und zu Recht berühmte Satz aus der Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, redigiert von Thomas Jefferson, lautet: „Wir erachten diese Wahrheiten für selbstevident: daß alle Menschen gleich geschaffen sind ; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, zu denen Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören;” Der entscheidende erste Satz dieses Textes ist kontraintuitiv, denn ‚natürlich’ sind die Menschen ungleich, wie wir alle wissen und täglich von neuem erfahren können.

Die Gleichheit, die hier gemeint ist, betrifft aber gar nicht die Natur des Menschen, sondern seine Rechtspersönlichkeit. – In der Präambel der Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen von 1948 hat der Glaube „an die Würde und den Wert der Person” inzwischen zwar auch weltweit normativen Ausdruck und eine alle Schranken von Kultur und Tradition überschreitende Bestätigung gefunden.

  1. Aber er ist damit keineswegs überall verwurzelt.
  2. Es ist noch nicht lange her, daß die chinesische Regierung als Sprecherin einer eigenständigen großen Kulturtradition und eines beträchtlichen Teils der Menschheit die westlichen Regierungen hat wissen lassen, daß sie sich die (europäisch-christliche) Lehre von den Menschenrechten nicht aufdrängen lassen wolle.

Sie vertrat vielmehr die Ansicht, daß die Rechte des Individuums an den Rechten – nicht anderer Individuen, sondern der Gemeinschaft – ihre Grenze finden sollten. Bekanntlich gilt das auch für die Frage nach dem Wert des (menschlichen) Lebens, das dieser Auffassung zufolge zwar keinen unbedeutenden, aber eben doch einen Preis hat.

Würde kann etwas, z.B. ein Mensch, nur als Person haben. Denn nur als Person kann etwas Träger von Rechten sein, die seine Würde begründen. In der ‚Natur’ gibt es weder Recht noch Würde. Würde und die Rechte, die sie ausmachen, werden verliehen und entzogen bzw. verweigert, sie werden zugesprochen und abgesprochen.

Rechtlos ist ein Mensch zwar immer noch ein Mensch, verstanden als Naturwesen, wie ein Stein ein Stein und ein Hund ein Hund ist. Rechte aber werden allein durch Vernunft und Freiheit bestimmt. Sind sie bestimmt, dann heißt das in dieser Ordnung des moralischen Seins, daß sie von nun an eingehalten oder gebrochen, be- oder mißachtet werden können.

  • Wem Rechte verliehen, wem sie entzogen werden sollten, und in wessen Macht diese Verleihung und dieser Entzug stehen sollten, das ist eine moralische Frage.
  • Es ist Hegels Verdienst gezeigt zu haben, daß diese moralische Frage nicht ursprünglich ist.
  • Lange bevor jemand in der Lage ist (bevor wir in der Lage sind), moralische Fragen dieser Art zu stellen und zu erörtern, müssen wir als Personen längst wirklich anerkannt sein.

Die wechselseitige Anerkennung der Personen ist die sittliche Wirklichkeit, in der wir leben, und als solche ist sie Bedingung dafür, daß wir ihre Gründe, die Gründe dieser Anerkennung, moralisch diskutieren können. Nietzsche hat erkannt, daß dieses Fragen nach den Gründen unserer moralischen Welt ein gefährliches Experiment mit unserem Leben ist.

Was wir bei dieser Suche entdecken, ist die Kontingenz der moralischen Grundlagen unserer Lebensform. Die scheinbar so selbstverständliche Verbindung von Mensch und Person z.B., auf der die Menschenrechte und damit unser gesamtes Rechtssystem beruhen, ist christlich begründet, es ist historisch geworden und bedingt.

Gott hat Menschengestalt angenommen, nur in Christo sind alle Menschen als solche auch Personen, nur in ihm sind alle Menschen – als Personen – gleich geschaffen (created equal). – Wenn nun aber dieser Gott gestorben sein sollte? Wenn wir ihn getötet hätten, wie andere Zeiten ihn inthronisiert haben? Was wird dann aus unseren unveräußerlichen (inalienable) Rechten? Was aus der Gott geschuldeten Anerkennung aller anderen Menschen als Personen? In der gegenwärtigen öffentlichen Diskussion pflegen wir uns mit aristotelischen Problemen herumzuschlagen, mit den Problemen, die Grenzen des Menschen festzulegen, d.h.

  1. Empirisch zu bestimmen, was einen Menschen ausmacht, zu entscheiden, wo etwas anfängt und wo es aufhört, Mensch zu sein.
  2. Doch diese Probleme sind harmlos gegenüber dem Problem, das als Konsequenz des neuzeitlichen Denkens seit Hobbes bei Nietzsche in aller Schärfe hervortritt.
  3. Dort geht es nämlich um die Frage, ob überhaupt, ferner aus welchem Grund und mit welchem ‚Recht’, alle Menschen als Personen, d.h.

als Träger unveräußerlicher eigener Rechte angesehen werden sollten. Wenn ‚wir’ miteinander reden, dann haben wir uns im Moment immer schon als Personen anerkannt, wenigstens solange wir miteinander reden. Aber wie weit reicht das ‚wir’, wer oder was ist damit eingeschlossen? Es ist christliche Lehre, daß alle Menschen qua Menschen eingeschlossen sind.

  1. Aber noch einmal gefragt, was wäre, wenn wir feststellen müßten, daß der christlich-moralische Gott gestorben ist? Eine Person ist ein Rechtsträger.
  2. Wie eine Regel nicht für eine Person gelten kann, so kann auch kein Recht nur für eine Person gelten.
  3. Für welchen Personenkreis aber gelten Rechte? Rechte gelten für diejenigen, für die sie als gültig erklärt werden, und zwar so weit und so lange, wie die Zwangsgewalt, ihre Anerkennung durchzusetzen, reicht.

Die Geltung von Rechten ist in historisch begrenztem Maß allgemein. Menschenrechte aber sind Willenserklärungen einer historisch begrenzten Gemeinschaft, die mit dem Anspruch artikuliert werden, unbegrenzt und überhistorisch für alle Menschen zu gelten, auch für die, die nicht zur Gemeinschaft derer gehören, in deren Namen sie artikuliert wurden.

  1. Dieser grenzüberschreitende Anspruch der Menschenrechte ist notorisch, und bekanntlich ist er problema-tisch.
  2. Er kann auf zweierlei Weise verstanden werden: entweder als Absicht und Aufforderung, gewaltsam in fremde Rechtsräume einzugreifen und diejenigen Personen, für die diese Rechte noch nicht gelten, zu deren Anerkennung zu zwingen; oder als Angebot und Einladung an die Mitglieder fremder Rechtsgemeinschaften, diese Rechte als eine gemeinsame Rechtsgrundlage verschiedener Rechtssysteme anzuerkennen.

Eine Person ist ein Rechtsträger. Ihr Sein und ihre Rechte bestehen darin, von anderen Personen anerkannt zu sein. Wer oder was als Person gilt und welche Rechte einer Person zukommen, ist selbst eine Frage des Rechts oder zuvor noch der Sittlichkeit. Nur eines steht fest: Anerkennung gewährende Personen sind Menschen, denn sie müssen sich in eigenem Namen äußern und ggf.

  1. Für andere Personen sprechen können.
  2. Die Antwort auf die Frage, wer oder was als Person gilt und welche Rechte einer Person zukommen, ist also nicht aus einer allgemeinen Vernunft ohne Rücksicht auf die Anerkennung einer Person durch andere Personen – logisch, wie man sagt, doch richtiger sollte es heißen: monologisch – abzuleiten.

Die Antwort auf die Frage, wer oder was als Person gilt und welche Rechte einer Person zukommen, ist aber auch nicht aus einem Gefühl oder aus moralischer Intuition zu gewinnen. Denn letztlich läßt sich die Bestimmung dieses Gefühls oder dieser Intuition, die auch als Stimme des Gewissens auftreten kann, immer als ein Vorurteil erkennen; jedenfalls als nicht unmittelbar wahr, sondern durch anderes (durch das genetische, das kulturelle und das individuelle Gedächtnis, d.h.

durch Instinkt, Tradition und Erfahrung) vermittelt. Vielmehr ist jede Antwort auf die Frage, wer oder was als Person gilt und welche Rechte einer Person zukommen, das Resultat einer Willenserklärung. Gewiß nicht eines unmittelbaren und vollkommen autonomen Willens, sondern eines Willens, der selbst zunächst immer Produkt vielfältigster unbewußter Erfahrungen ist.

Autonomie kann ein solcher Wille nur allmählich und in einem gewissen Grad durch Reflexion gewinnen, indem er sich zu einem vernünftigen, verantwortlichen, geschichtserfahrenen Willen bildet und entwickelt. Ein solcher Wille würde auch in der grundlegenden Frage der Personen- oder Menschenrechte keine Dogmen verkünden und mit Anspruch auf unbedingte Gültigkeit festlegen, worin diese Rechte bestehen.

Sondern er würde aufgrund reflektierter Erfahrung Forderungen und Wünsche artikulieren. Und er würde Einwendungen gegen seine eigenen Erfahrungssätze ernst nehmen, weil es Einwände von Personen sind, die er als Personen anerkennt, und er würde letztlich eher Nicht-Übereinstimmung auch in diesen Grundfragen anerkennen als Übereinstimmung zu erzwingen versuchen.

Tilman Borsche ist Professor für Philosophie an der Universität Hildesheim. (c) Tilman Borsche : Schwerpunktbeitrag: Mensch und Person

Was bedeutet das Mensch sein?

Substantiv, n –

Singular Plural
Nominativ das Menschsein
Genitiv des Menschseins
Dativ dem Menschsein
Akkusativ das Menschsein

Worttrennung: Mensch·sein, kein Plural Aussprache: IPA : Hörbeispiele: Menschsein ( Info ) Bedeutungen: die Existenz als menschliches Lebewesen Herkunft: Determinativkompositum, zusammengesetzt aus den Substantiven Mensch und Sein Synonyme: Menschentum Beispiele: „Was Menschsein bedeutet, wird immer dann strittig, wenn viel auf dem Spiel steht.

Was definiert mich?

Kolumne: Mein Job, mein Aussehen, mein Erfolg – was definiert mich eigentlich? „Über was beschwert die sich?”, wird sich angesichts der Überschrift vielleicht so mancher Leser fragen. Tatsächlich befinde ich mich in einer sehr glücklichen Phase meines Lebens: Netter Mann, gesundes Kind, Haus am See.

Doch es gibt auch immer wieder Tage, an denen mich die Selbstzweifel fast zerfleischen. Es sind Tage, an denen ich der Vergleicheritis („comparititis”, wie Camille Charriere auf Instagram schrieb) erliege, das Gefühl habe, aufgrund von Schlafmangel und Antriebslosigkeit nichts auf die Kette zu bekommen oder im Job schlechtes Feedback bekomme.

Das passiert immer wieder und ist normal – aber irgendwie stecke ich solche Downs gerade nicht gut weg. Ich verschwinde dann immer ein paar Tage offline, igle mich zuhause ein und starre ins Leere. Auf Instagram habe ich seit über einer Woche kaum etwas gepostet.

  1. Ich erlebe nix besonderes, habe nix dolles zu sagen und finde nix so spannend, dass ich es unbedingt posten müsste.
  2. In solchen Momenten denke ich: Oje, wie soll das alles weitergehen? Wozu mache ich das hier eigentlich? Werde ich mit 50 noch als Freie schreiben, Influencer und Blogger sein wollen? Die Zukunftsangst bibbert in mir, denn ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie mein Beruf in 20 Jahren aussehen wird.

Zum Vergleich: Ich habe vor 21 Jahren Abi gemacht. Damals hatte niemand einen Laptop, iPad oder Handy. An unserer Schule gab es genau drei Nerds, die den Computer-Kurs besucht haben. Ich dachte damals immer: „MS-DOS, was fürn Scheiß – wer braucht denn so etwas?” Jetzt mit 40 habe ich das Gefühl, etwas geleistet haben zu müssen.

Und zwar etwas von Wert, Dauer und Nachhaltigkeit. Habe ich aber nicht. Es gibt keine Lorbeeren, auf denen ich mich ausruhen könnte. Stattdessen muss ich das Rad jeden Tag aufs Neue zum Laufen bringen und frage mich dabei immer wieder, ob es gut ist, was ich mache. Bin ich cool genug? Interessieren meine persönlichen Gedanken außer meiner Mutter noch irgendjemanden auf dieser Welt und wer will wirklich sehen, was ich anziehe oder wie ich unser Haus einrichte? Als ich mit Tränen auf dem Sofa saß, hat Flori etwas Wichtiges zu mir gesagt: „Du definierst dich nur über deinen Job.

Aber du bist doch viel mehr als das.” Seine Worte waren wie eine Umarmung. Er hatte Recht. Mein Job ist dafür da, um Geld zu verdienen, mit dem ich unseren Lebensunterhalt mitfinanziere. Wenn ich etwas machen kann, das Geld und Spaß bringt, so wie Alexa Peng, umso besser. Selbst wenn ich putzen müsste, würde mir dabei kein Zacken aus der Krone brechen, denn ich würde es für meine Familie tun. Und da wären wir bei dem, was mich wirklich ausmacht: meine persönlichen Beziehungen. Die zu meinem Kind, meinem Partner, meiner Familie und meinen Freunden.

  • Und es liegt an mir, diese Beziehungen zu pflegen.
  • Spontan habe ich deshalb meine Freundin Anja angerufen.
  • Ich wollte sie seit sechs Monaten (!!!) zurückrufen und habe es wegen der Arbeit immer wieder verschoben, so wie ich viele Treffen mit Freunden immer wieder und andauernd verschiebe, weil etwas dazwischen kommt oder jemand bei uns krank ist.

Anja kennt mich, seitdem ich 12 Jahre alt bin und mit ihr zu sprechen war so, als säßen wir wieder nebeneinander auf der Schulbank. Ihr habt vielleicht auch eine Freundin oder Freund mit dem das genau so ist. Anja ist ebenfalls Mutter und so konnten wir uns innerhalb von einer Stunde nicht nur über die Kinder, sondern ganz nah und innig über den Drahtseilakt zwischen Familie, Job und Partnerschaft austauschen.

Es tat mir so gut mit ihr zu sprechen, denn wir haben viel gelacht. Danach war ich richtig glücklich. Freundschaften zu pflegen, fällt mir zwar angesichts der täglichen To-do-Listen zwar schwer, aber ich habe kapiert, wie wichtig sie für mich sind. Wenn Baby Peng jetzt nachhause kommt, versuche ich den Rechner sofort wegzulegen.

Ich konzentriere mich dann nicht nur ganz und gar auf meine Tochter, sondern auf meine Rolle als Mutter. Denn wenn ich an einem normalen Wochentag nichts anderes als Arbeit und Haushalt in meinem Leben stattfinden lasse, habe ich gar keine Chance einen Ausgleich schaffen, der mich erfüllt. Dazu zählt auch, dass ich mehr Sport mache. Da ich im Winter nicht mehr so viel Fahrrad fahren kann, muss ich jetzt Work-outs einlegen. Das ist nicht nur für meinen Körper wichtig, sondern vor allem für meine Birne. Jeden Morgen halte ich mir nun 20-30 Minuten frei, die nur mir gehören und in denen ich etwas für mich und mein Wohlbefinden tue.

Was ist der Mensch Philosophie Stichpunkte?

Ansätze in der Gegenwart – Die nachfolgend geschilderten Ansätze stehen als Beispiele für aktuelle Diskussionen. Odo Marquard beschreibt den Menschen als Homo Compensator, Die Kompensationsidee, die sich sowohl bei Plessner als auch bei Gehlen findet, hat sich in weiten Bereichen der Pädagogik und der Soziologie platziert.

  • Onrad Lorenz und Karl-Otto Apel haben die Moral als Kompensationsmechanismus beschrieben.
  • Der Mensch kompensiert auf natürliche Weise durch hohe Geburtenraten nach großen Seuchen.
  • Das Gehirn kompensiert bei Schädigungen.
  • Ompensation gibt es als Vergeltung und Kompensation gibt es als Entschädigung.
  • Schon Cicero vertrat eine Theorie der kompensatorischen Lebenskunst der Weisen.

Marquard konstruiert einen Gegensatz zwischen Geschichtsphilosophie und philosophischer Anthropologie, der er eine rein naturalistische Position zuweist und diese gleichzeitig kritisiert. Alwin Diemer hat einen Versuch unternommen, Philosophische Anthropologie unter systematischen Gesichtspunkten zu entwickeln, mit Unterscheidungs- und Bestimmungsmerkmalen, mit der Abgrenzung nach oben (Gott) und der Abgrenzung nach unten (Tierwelt).

Seine Phänomenologie des Humanbereichs zählt überwältigend viele Aspekte und Fragestellungen auf. Diemer betont die doppelte Funktion der Menschenbilder und erklärt: „Die Rede vom Bild impliziert zweierlei: einmal das Moment des Sekundären, das an Ab- und Ebenbild erinnert, zugleich aber auch das Moment des Primären: ‚Bild‘ bedeutet dann zugleich Vor- und Leitbild.

Diese Leitbilder fungieren, wenn die entsprechenden Metaphysiken bzw. Ideologien politisch-gesellschaftliche Macht besitzen, als entsprechende pädagogische Ideen” Robert Spaemann sieht das Wesen des Menschen im Nachvollzug von Kant in der Verbindung des Natürlichen und des Vernünftigen: „Vernunft heißt Versöhnung mit dem was vor ihr ist: Der Natur.

Vor allem aber: Anerkennung eines fremden Vernunftwesens kann sich nur realisieren als Anerkennung dieses Wesens in seiner Natürlichkeit.” Spaemann wendet sich vor allem gegen den Materialismus, der oft mit der Evolutionstheorie verbunden wird. Begriffe wie System, Information, Programm oder Struktur sind Abstraktionen und damit nicht frei von Annahmen, sondern „theoriebeladen”.

Es sind Erklärungsbegriffe für die Bedingungen für das Auftreten neuer Phänomene, die nicht den Ursprung dieser Phänomene selbst begründen können. Humberto Maturana und Francisco Varela entwickelten die Theorie vom Menschen als sich selbst erschaffendes ( autopoietisches ) System in Verbindung mit der Evolutionären Erkenntnistheorie,

Ob diese Sichtweise einen radikalen Konstruktivismus impliziert, ist umstritten. Die Idee des autopoietischen Systems beeinflusste auch Niklas Luhmann, der die Systemtheorie in die Soziologie übertrug. Gesa Lindemann hat im Anschluss an die historisch-reflexive Anthropologie Helmuth Plessners das Konzept der reflexiven Anthropologie entwickelt.

Ausgangspunkt ist ein neuartiges Verhältnis von Anthropologie und Soziologie. Anthropologie bzw. anthropologische Annahmen werden nicht als sozialtheoretisches Fundament begriffen, sondern zum Gegenstand der Beobachtung gemacht. Bei diesem Ansatz geht es um die Bearbeitung der Frage, wie in Gesellschaften der Kreis sozialer Personen begrenzt wird und welche Funktion der Anthropologie in der Moderne zukommt.

  • Bálint Balla legt seiner Soziologie das Axiom zu Grunde, dass der Mensch ein Wesen sei, das sich auf die ihm eigene Weise mit dem Grundproblem der „ Knappheit ” auseinandersetzt.
  • Als kritische soziologische Umgestaltung der Gehlenschen Mängelwesenthese ist Dieter Claessens ‘ Studie Das Konkrete und das Abstrakte von 1980 bedeutsam geworden.

Gunter Gebauer will den Menschen in seiner Lebenswelt unter seinen Lebensbedingungen betrachten. Anthropologie solle nicht des Wesen des Menschen in Abgrenzung zum Tier leisten, sondern den Menschen aus Sicht des anderen Menschen reflektieren. Anthropologie habe nicht die Ideen, das Universale oder Ewige zum Gegenstand.

Der Mensch hat zwar biologische Ausgangsbedingungen, sei aber Produkt seiner selbst. Der Mensch ist in seine Umwelt hineingeboren, aber er verändert sie. Durch sein Handeln gibt der Mensch der Welt objektive Gestalt. Anthropologie ist geschichtlich, sowohl in ihrem Objekt, als auch in ihren Methoden. Sie fragt nicht nur, wer ich bin, sondern auch, wie ich geworden bin, was ich bin.

„Anthropologie ist zuerst der Ausdruck von Unsicherheit. Was ist die Bestimmung des Menschen, wenn sie in seine eigene Hand gelegt ist?” Thomas Rentsch will den Menschen in seiner Lebensweise verstehen und eine praktische Ethik daran anschließen. Hierzu muss in der Nachfolge Kants erst die menschliche Grundsituation analysiert werden.

Die Existenz des Menschen ist bestimmt durch die sich jeweils gegenseitig bedingenden Situativität, Selbstreflexivität und Sprachlichkeit. Moralität ist ein von der menschlichen Praxis untrennbarer Bestandteil. Der Mensch verfügt über Freiheit zur Selbstgesetzgebung und Selbstregelung, denn der Unbestimmtheit, der Geworfenheit der Menschen entspricht seine Freiheit zu allen möglichen Setzungen.

Ethik muss daher immer im Horizont der philosophischen Anthropologie stehen, sie ist Bestandteil der Lebenswelt. Karl-Siegbert Rehberg nimmt die Institutionenlehre Gehlens auf: Er weist gesellschaftlichen Institutionen zwei Dimensionen zu: zum einen eine restriktive und stabilisierende Funktion für die Akteure, zum anderen gesellschaftliche Integration individueller Handlungen.

  • Institutionen sind idealtypisch solche Sozialformen, in denen eine Synthese zwischen Sozialstruktur, Organisation, Normen- und Faktenwissen hergestellt wird.
  • Institutionen sind Vermittlungsinstanzen kultureller Sinnproduktion, durch welche kulturelle Objektivationen verbindlich gemacht werden.
  • Institutionen werden auch als symbolische Ordnungen aufgefasst.

Dies beruht auf der anthropologischen, der erkenntnistheoretischen und der kulturphilosophischen Grundannahme der symbolischen Vermitteltheit aller Welt- und Selbsterkenntnis des Menschen (s.o. Ernst Cassirer), der als Kulturwesen Situationen deuten und andere Handlungsmöglichkeiten bereithalten muss.

  1. Der Gebrauch von Zeichen und Symbolen ermöglicht solche Transzendierungsleistungen und die Verfügung über „signifikante Symbole” (Symbole, deren Bedeutungen mit anderen geteilt werden), heißt gleichzeitig „Geist” zu haben (G.H. Mead).
  2. Symbole dienen der Entlastung von Druck aufgrund sinnlicher Triebe oder vom Bewusstsein der Sterblichkeit,

René Girard entwirft im Rahmen seiner mimetischen Theorie eine Wissenschaft des Menschen, die die gesamte Entwicklung der menschlichen Kultur – von der Menschwerdung und der Entstehung von Religion und Institutionen bis hin zu den gesellschaftlichen Organisationsformen der Gegenwart – auf der Grundlage der Mechanismen, die die Eindämmung der Gewalt erlauben, erklärt.

Ernst Tugendhat knüpft wieder an Kant an und begründet aus heutiger Sicht, weshalb die Anthropologie im Zentrum der Philosophie steht. Was immer Metaphysik bedeuten kann, es reduziere sich auf Anthropologie. Aus Tugendhats Sicht sind alle metaphysischen Themen eigentlich Elemente des menschlichen Verstehens.

Die philosophische Anthropologie als Grunddisziplin der Philosophie befasst sich mit diesem Kernbereich des Menschlichen, dem Verstehen, und fragt nach der Struktur dieses Verstehens. Was bleibt als Frage nach dem Sein des Menschen übrig, so überlegt Tugendhat, wenn alles Historische im Sinne des nur Traditionellen weggezogen würde? Tugendhat sieht die Anthropologie in einem Gegensatz sowohl zur Metaphysik als auch zur Orientierung am Geschichtlichen, am historisch Vorgegebenen, Traditionen, göttlicher Offenbarung usw.

  • Zum Verhältnis philosophischer zu empirischer Anthropologie meint Tugendhat, dass beide verschiedene Schwerpunkte haben, sich jedoch aufeinander zubewegen müssen.
  • Der Schwerpunkt der philosophischen Anthropologie ist dadurch gekennzeichnet, daß sie in 1.
  • Person geschieht und von einer Reflexion auf allgemeine Strukturen ausgeht, dadurch daß man in ihr von sich ausgeht, ergeben sich Einseitigkeiten, über die man sich durch die breiteren Kenntnisse der empirischen Anthropologie belehren lassen muss”.

Ferdinand Fellmann definiert den Menschen als Paar-Wesen. Die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau gilt ihm als anthropologisches Radikal, das die Menschen vom Hordenleben der nichtmenschlichen Primaten getrennt hat. Fellmann untermauert sein Bild vom Menschen evolutionsbiologisch, versteht seine Rekonstruktion der Urszene der Menschwerdung aber als Beitrag zur philosophischen Anthropologie.

  1. Vor dem Biologismus ist dieser Ansatz dadurch geschützt, dass die Polarität der Geschlechter die moralische Dimension der Rechtfertigung des Menschen durch die Liebe einschließt.
  2. Hans-Peter Krüger hat (im Anschluss an Helmuth Plessner) die Philosophische Anthropologie neu begründet.
  3. Ihr Phänomenspektrum bestehe systematisch betrachtet zwischen dem ungespielten Lachen und Weinen als den Verhaltensgrenzen personaler Lebewesen.

Es umfasse die Öffentlichkeit und daher personale Urteilskraft im Verhältnis zur Körper-Leib-Differenz, die ästhetische Freilegung des Nichts in den modernen Künsten, die naturphilosophische Freilegung von Etwas vor dem Horizont des Nichts in den Naturwissenschaften, die Individualisierung der Person, die Personalisierung des Individuums und die Souveränitätsfrage in der Ermächtigung zu geschichtlichem Tun als Gemeinschaft und Gesellschaft (1999).

  1. Diese deutschsprachige Philosophische Anthropologie wurde mit den impliziten und expliziten philosophischen Anthropologien in den klassischen Pragmatismen (Ch.S.
  2. Peirce, W. James, J.
  3. Dewey und G.H.
  4. Mead) anhand der Kant- und Hegel-Transformationen in beiden Traditionen verglichen (2001).
  5. Die Neubegründung der Philosophischen Anthropologie wurde unter Einschluss weiterer deutsch-jüdischer Denker (H.

Arendt, E. Cassirer, M. Scheler) ausgeweitet und für den Vergleich mit den Neopragmatismen (H. Putnam, R. Shusterman, R. Rorty) geöffnet (2009). Sie erfolgte als Rahmentheorie für die neurobiologische Hirnforschung (G. Roth, W. Singer) und die neue vergleichende Verhaltensforschung (F.