Warum Wollen Demenzkranke Nicht Duschen?

Warum Wollen Demenzkranke Nicht Duschen
Gedächtnisprobleme – Mangelnde Hygiene kann eine Folge von Gedächtnisprobleme sein. Der Senior vergisst, dass er das Gesicht und Hände waschen soll. In solchen Fällen soll die Betreuungskraft dem Patienten an das tägliche Bad erinnern oder einfach an der täglichen Hygiene des Patienten teilnehmen.

Was mache ich wenn ein Demenzkranker nicht duschen will?

10. September 2019 Wer einen Demenzkranken pflegt, weiß, dass die tägliche Körperpflege oft für Schwierigkeiten sorgt. Hier sind einige Tipps, wie es besser funktionieren kann. | © imago images / Martin Wagner “> Wie kann die Körperpflege bei Demenzkranken gelingen? | © imago images / Martin Wagner Wie viel Körperhygiene ein Demenzkranker braucht, hängt von seinen Vorlieben ab. Es ist nicht unbedingt notwendig, täglich zu duschen oder zu baden, wenn der Betroffene das nicht will.

  • Oberste Priorität sollte stattdessen der Erhalt der Selbstständigkeit haben – notfalls auch unter Anleitung.
  • Denn oft verstehen Demenzkranke nicht mehr, was sie tun sollen, erinnern sich aber daran, wenn man es ihnen vormacht.
  • Geduld ist das A und O einer gelingenden Körperpflege.
  • Auch wenn der Demenzkranke viel Zeit benötigt, um alle Tätigkeiten selbst zu machen, so gewinnt er dadurch Sicherheit und Selbstvertrauen.

Beim Waschen und Anziehen sollte kein Druck ausgeübt werden. Das kann zur Gegenwehr führen. Besser ist es, dem Betroffenen das Gefühl zu geben, ihn zu verwöhnen. Dazu gehört, die Lieblingsseife zu verwenden. Zu viele Kosmetikartikel können Verwirrung stiften.

Warum ziehen sich Demenzkranke zurück?

Im Kopf eines Demenzkranken | Leben mit der Krankheit Eine Demenz geht weit über den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinaus. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmungen, das Verhalten und Erleben der Betroffenen – das gesamte Sein des Menschen. In der Welt, in der sie leben, besitzen die Dinge und Ereignisse oft eine völlig andere Bedeutung als in der Welt der Gesunden.

  1. Die Betroffenen vereinsamen innerlich, da ihnen keiner in ihrem Erleben der Welt mehr zu folgen vermag.
  2. Manchmal stelle ich mir seltsame Fragen.
  3. Wenn ich keine Frau mehr bin, warum fühle ich mich wie eine? Wenn das Festhalten keinen Sinn mehr hat, weshalb will ich es denn mit aller Gewalt? Wenn meine Sinne nichts mehr empfinden, warum genieße ich dann immer noch das Gefühl von Satin und Seide auf meiner Haut? Wenn ich nicht mehr sensibel bin, weshalb bringen bewegende Liedertexte Saiten in mir zum Klingen? Jedes einzelne Molekül in mir scheint in die Welt herauszuschreien, dass ich existiere und dass diese Existenz für irgendeinen Menschen von Wert sein muss.

Diana Friel McGowin, 1994, US-amerikanische Autorin und Alzheimer-Patientin Niemand weiß wirklich, wie es in einer an Demenz erkrankten Person aussieht, denn nur im Anfangsstadium der Krankheit können sich die Betroffenen selbst mitteilen. Später müssen die Angehörigen erfühlen, wie es dem erkrankten Menschen geht, was er benötigt und was ihm guttut.

  1. Einschneidende Erlebnisse, persönliche Ängste und Charaktereigenschaften der Betroffenen zu kennen, heißt, sie auch während der Krankheit besser zu verstehen.
  2. Deshalb können nahe Angehörige das Verhalten der Erkrankten meist am besten verstehen.
  3. Gestörte Merkfähigkeit und Gedächtnisabbau „Seit ich an Demenz erkrankt bin, gehe ich nicht mehr gerne unter Leute.

Meine Vergesslichkeit ist mir sehr unangenehm. Früher war ich gesprächig und belesen. Heute kann ich mich oft nicht an Dinge erinnern, die erst gestern oder sogar heute passiert sind, und kann mich auf einmal nicht mehr richtig ausdrücken.” Die Schwierigkeit, sich Dinge zu merken, steht in der Regel am Beginn einer Demenzerkrankung.

  • Den Betroffenen gelingt es nicht mehr, neue Informationen im Langzeitgedächtnis zu speichern – sie vergessen Termine, verlegen Gegenstände oder erinnern sich nicht an die Namen entfernter Bekannter.
  • Von einer Demenz Betroffene bemerken ihre Leistungsverluste meist schneller als alle anderen.
  • Oft geraten sie aufgrund ihrer Gedächtnislücken völlig durcheinander und fühlen sich gedemütigt und beschämt.

Mithilfe von Merkzetteln oder durch Zurückhaltung in Gesprächen versuchen sie, ihre Vergesslichkeit zu verbergen. Hobbys werden aus vorgeschobenen Gründen aufgegeben, Fehler abgestritten und Angehörige etwa beschuldigt, Geld weggenommen zu haben. Im weiteren Krankheitsverlauf sind sich die Betroffenen ihrer Gedächtnisprobleme immer weniger bewusst.

Das Leiden an den Folgen wie beispielsweise dem Verlust von Unabhängigkeit bleibt aber bestehen. Zur schwindenden Merkfähigkeit tritt ein fortschreitender Gedächtnisabbau, zunehmend verblassen auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. In der Folge wird das logische Denken beeinträchtigt, gehen erworbene Fähigkeiten verloren und nimmt das Sprachvermögen ab.

Am Ende verlieren die Betroffenen schließlich das Wissen darüber, “wer sie waren” und “wer sie sind”. In fehlenden Erinnerungen liegt häufig der Grund für das unverständliche Verhalten der Erkrankten: Wer sich nicht mehr an die Person erinnert, die einem gerade aus den Kleidern helfen möchte, wird sie als Zumutung für seine Intimsphäre empfinden – und sie unter Umständen beschimpfen oder sich weigern, sich auszuziehen.

Sollen Demenzkranke viel schlafen?

Mittagsschlaf adé? Nickerchen könnten das Demenzrisiko erhöhen Wer Angehörige im Pflegeheim hat, kennt das Bild: Die meisten alten Menschen verbringen ihren Tag und auch ihre Nacht im Bett, meist schlafend oder vor sich hin dämmernd. Auch meinem Großvater geht es so.

  • Anfangs waren es kurze Nickerchen, später wurden die Schlafphasen immer länger.
  • Mittlerweile treffe ich ihn nur noch schlafend in seinem Zimmer an.
  • Ist er dann wach, erkennt er seine Umwelt nicht mehr.
  • Es war ein schleichender, aber stetig zunehmender Prozess.
  • Er schlief immer mehr, und erkannte, erinnerte sich immer weniger.

Forschende der University of California San Francisco (UCSF) und der Harvard Medical School haben in Zusammenarbeit mit dem Brigham and Women’s Hospital (beide in Boston/USA) in einer Studie nun den Zusammenhang zwischen exzessiven Nickerchen am Tag und einem erhöhten Risiko für Alzheimer-Demenz untersucht.

  • Darin verfolgten die Forschenden die Daten von 1.401 Senioren, die bis zu 14 Jahre lang vom Rush Memory and Aging Project am Rush Alzheimer’s Disease Center in Chicago beobachtet worden waren.
  • Mit Hilfe eines uhrähnlichen Messgerätes zeichneten sie die Schlafepisoden der Menschen auf.
  • Diese waren durchschnittlich 81 Jahre alt.

Was sie fanden, war eine bidirektionale, längsschnittliche Beziehung zwischen Tagschlaf und Alzheimer-Demenz oder anders gesagt einen “Teufelskreis des Nickerchens”. Die Forschenden stellten fest, dass häufigere und längere Nickerchen am Tag einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz bei kognitiv normalen älteren Männern und Frauen darstellt.

Gleichzeitig nahm aber auch mit Fortschreiten einer Alzheimer-Demenz die Häufigkeit und Dauer des Nickerchens am Tag zu. “Der von uns beobachtete Teufelskreis zwischen Tagesschlaf und Alzheimer-Krankheit bietet eine Grundlage für ein besseres Verständnis der Rolle des Schlafs bei der Entwicklung und dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit bei älteren Erwachsenen”, erklärt Peng Li, PhD, vom Medical Biodynamics Program in der Brigham’s Division of Sleep and Circadian Disorders.

Interessant an den Ergebnissen der Studie ist, dass der Zusammenhang zwischen übermäßigen Nickerchen am Tag und Demenz auch dann noch bestand, wenn die nächtliche Schlafmenge und -qualität berücksichtigt wurden. Die Nickerchen am Tag waren also nicht nur der Ausgleich für einen mangelhaften Schlaf in der Nacht.

Dies deutet darauf hin, dass das Nickerchen am Tag selbst eine wichtige Rolle spielt und unabhängig vom nächtlichen Schlaf ist”, sagte Yue Leng, MD, PhD, von der UCSF-Abteilung für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften. Doch wie kommt es zu diesem Zusammenhang? Die Forschenden ziehen für einen Erklärungsversuch eine andere Studie aus dem Jahr 2019 heran.

Darin wurden die Gehirne von Alzheimer-Erkrankten mit denen von Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung verglichen. Bei den Alzheimer-Erkrankten wurde festgestellt, dass sie in drei Hirnregionen weniger wachmachende Neuronen hatten. Diese neuronale Veränderung scheint mit einer Verklumpung und Ablagerung von Tau-Proteinen zusammenzuhängen.

Dieses Protein spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Krankheiten wie Alzheimer und der selteneren Frontotemporalen Demenz. Im gesunden Gehirn dient es zur Stabilisierung des Gerüsts der Nervenzellen. Häuft es sich aber ungebunden innerhalb der Zelle an, kommt es zur Zerstörung der Synapsen und zum Tod der betroffenen Nervenzellen.

Heißt das also, dass Nickerchen am Tag nun tabu sind, weil sie Alzheimer-Demenz vorantreiben? Nein. Die Forschenden selbst glauben, nicht ausreichend Beweise zu haben, um Schlussfolgern zu können, dass es das Nickerchen selbst ist, das die kognitive Veralterung verursacht.

  1. Aber übermäßige Nickerchen am Tag können ein Signal für eine beschleunigte Alterung oder einen kognitiven Alterungsprozess sein”, sagt Leng.
  2. Laut den Forschenden sei es daher sehr wichtig, mehr Aufmerksamkeit auf die Schlafmuster während des Tages zu lenken.
  3. Denn “Schlafveränderungen sind entscheidend für die internen Veränderungen im Gehirn, die mit der zirkadianen Uhr, dem kognitiven Verfall und dem Demenzrisiko zusammenhängen”, erklärt Mitautor Kun Hu, PhD, vom Medical Biodynamics Program in der Brigham’s Division of Sleep and Circadian Disorders.

Ob ein direkter Eingriff in das Nickerchen während des Tages das Risiko einer Alzheimer-Demenz oder eines kognitiven Rückgangs senken kann, müssen Folgestudien untersuchen. In Deutschland leben heute laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft etwa 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Warum wollen Demenzkranke nach Hause?

Weglauftendenz: Warum wollen Menschen mit Demenz weglaufen? – Anzeige | Produktvorstellung Wenn Menschen mit Demenz plötzlich weglaufen, ist das keine Boshaftigkeit. Es hat seinen Grund. Doch die Beweggründe können ganz unterschiedlicher Natur sein:

Einigen Demenzpatienten ist langweilig, oder sie sind gereizt, irritiert, verängstigt oder auf der Suche nach etwas. Sie beginnen dann zu laufen. Sie laufen in der Wohnung umher, im Garten. Oder sie haben etwas zu erledigen und „laufen weg”. Sie haben also ein Ziel. Deshalb auch der Begriff Hinlauftendenz.Demenzpatienten haben irgendwann kein Gefühl mehr für die Zeit. Sie leben im „Damals”. Deshalb „wohnen” Menschen mit über 80 Jahren plötzlich wieder bei ihren Eltern oder haben gerade erst geheiratet. Sie wollen heim zu Mutter und Vater oder zur Frau.Läuft der Mensch mit Demenz weg, liegt sein Ziel meist dort, wo er sich zeitlich gerade befindet. So kann es zum Beispiel sein, dass der demente Mensch meint er werde gerade Vater und befindet sich deshalb auf dem Weg ins Krankenhaus. Für die Angehörigen sind die Ziele aber nicht immer nachvollziehbar, da sich der Erkrankte mit der Zeit immer schlechter verständigen kann und damit die Kommunikation schwieriger wird. Den Pflegenden fehlen dann oftmals die Anhaltspunkte, wohin der Demenzerkrankte gegangen sein könnte.Ein weiteres Problem ist, dass ihnen auch die Orientierung fehlt. Der Patient konnte bisher immer noch selbst zum Friseur gehen, aber plötzlich findet er sich nicht mehr zurecht. Er würde ja gerne wieder nach Hause gehen, ist aber desorientiert und verwirrt und findet nicht mehr Heim.Und ist der Mensch mit Demenz erst einmal unterwegs, kann es sein, dass er auf seiner Tour schlicht und ergreifend vergisst, wo er eigentlich hin wollte, was er erledigen oder besorgen wollte.

Extra-TIPP: Bei vielen Menschen mit Demenz hilft es, wenn Sie tagsüber ausreichend beschäftigt werden wie z.B. in alltägliche Aufgaben wie Kochen oder Tisch decken mit eingebunden werden. Es gibt auch eine Vielzahl von Spielen, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgelegt sind. Lese-TiPP: Tipps und Hilfsmittel für die Demenzbetreuung zu Hause

Was verschlimmert Demenz?

Nehmen Sie Einfluss und bleiben Sie gesund – Achten Sie deshalb besonders auf Gefäßerkrankungen, aber auch auf Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen und erhöhte Cholesterinwerte. Vermeiden Sie außerdem Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum und Übergewicht.

  • Auch Menschen mit Depressionen, Schlafmangel und wenig Bildung haben ein erhöhtes Alzheimer-Risiko.
  • Schwere Kopfverletzungen, zum Beispiel wiederholte Gehirnerschütterungen, können das Risiko ebenfalls verstärken, genauso wie ein Hörverlust im Alter, der aber mit einer geeigneten Hörhilfe ausgeglichen werden kann.

Auch die Belastung durch Feinstaub wird mittlerweile als Risikofaktor bewertet, Um Alzheimer zusätzlich vorzubeugen, achten Sie auf eine gesunde Lebensweise. Dazu gehören geistige Aktivität, ausreichend Bewegung, soziale Kontakte, eine ausgewogene Ernährung mit Orientierung an der mediterranen Küche.

Wann muss ein demenzkranker in die Psychiatrie?

Selbst- oder Fremdgefährdung – Das Gesetz sieht vor, dass eine Zwangsunterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung nur dann möglich ist, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind:

Der betroffene Mensch ist psychisch krank. Der Betroffene gefährdet ernsthaft sein Leben oder seine Gesundheit beziehungsweise das Leben oder die Gesundheit anderer. Es gibt keine ausreichenden Behandlungsalternativen außerhalb der psychiatrischen Einrichtung.

Der Sachwalter kann den Betroffenen nicht direkt einweisen, sondern muss die Polizei verständigen, die wiederum einen Amts- oder Polizeiarzt hinzuziehen muss. Mit einer Ausnahme: Bei Gefahr in Verzug, also wenn die Situation unmittelbares Einschreiten erfordert, hat auch die Polizei das Recht dazu.

Haben demente klare Momente?

«Demenz ist nicht einfach langsames Vergessen und Erlösung»

Demenz Lesezeit: 6 Minuten Demenz ist viel mehr als allmähliches Vergessen, warnt Psychiater Christoph Held. Angehörige sollten sich früher vom Wunsch befreien, möglichst lange zu Hause zu pflegen. «Am Ende hat die Krankheit die Lebensgeschichte der Betroffenen weggefressen.» – Christoph Held. Bild: PASCAL MORA Demenz ist viel mehr als allmähliches Vergessen, warnt Psychiater Christoph Held. Angehörige sollten sich früher vom Wunsch befreien, möglichst lange zu Hause zu pflegen.

Von und Veröffentlicht am 10. April 2018 – 16:42 Uhr, aktualisiert am 12. April 2018 – 15:16 Uhr Beobachter: Es gibt Episoden mit Demenzbetroffenen, bei denen man unwillkürlich lachen muss – und dann ein schlechtes Gewissen hat. und Humor: Verträgt sich das? Christoph Held: Das kann sich durchaus vertragen.

Humor ist eine gute Möglichkeit, auf die erhaltenen geistigen Fähigkeiten von Erkrankten zuzugreifen. Beobachter: Warum? Held: Demenz hat mit der Veränderung des autobiografischen Gedächtnisses zu tun, letztlich mit dem «Wer bin ich?». Dazu gibt es aber auch Dinge, die wir nicht erlebt, sondern gelernt und geübt haben. Fakten, Sprachen, Religion, auch Lieder, Sprüche, Witze.

  1. Diese Gedächtnisform bleibt oft länger erhalten.
  2. Daher kann man eben auch Humoristisches nutzen im Umgang mit Demenzpatienten, um sie emotional zu erreichen – während sie gleichzeitig nicht mehr wissen, wie sie heissen.
  3. Beobachter: Der erste Reflex auf Demenz ist aber Angst.
  4. Was macht diese Krankheit so unheimlich? Held: Dass man sie medizinisch kaum beeinflussen kann.

Es ist eine neurodegenerative Krankheit. Der Verlust von Nervenzellen im Gehirn schreitet fort und ist nicht aufzuhalten. «Am Ende hat die Krankheit den Demenzkranken die Lebensgeschichte weggefressen.» Christoph Held Beobachter: Es gibt auch andere Krankheiten mit schlechter Prognose.

  1. Held: Sicher, aber das Tragische an der Demenz ist, dass sie einhergeht mit einer Veränderung der Selbsterfahrung.
  2. Alles, was man im Leben einmal war, wird verändert und relativiert.
  3. Das führt dazu, dass Betroffene über ihr Kranksein oft nicht reflektieren und sich nur bruchstückhaft gegen aussen vermitteln können.

So verlieren sie die Selbstbestimmung, nicht nur im Hinblick auf rechtliche und administrative Dinge, sondern oft auch über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Beobachter: Eine beklemmende Erfahrung. Wie merkt das die Umgebung? Held: Indem die Symptome wahrgenommen werden, die wir aus der Psychiatrie kennen – Angst,,, Wahn,,

Man muss der Meinung entgegentreten, Demenz sei einfach ein langsames Vergessen von allem und damit auch eine Erlösung von dem, was war – getreu dem Motto aus der «Fledermaus»: «Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.» Diese Krankheit geht für die Betroffenen einher mit innerer Zerrissenheit, Verlorenheit und verändertem Zeiterleben.

Beobachter: Was heisst das? Held: Für demenzkranke Menschen kann die Zeit oft buchstäblich stillstehen, und dann überkommt sie mit grosser Heftigkeit Vergangenes, das sie eben gerade nicht vergessen können. Sie erleben dann oft die Vergangenheit als Realität, halten sich zum Beispiel für viel jünger, als sie sind.

Am Ende hat die Krankheit ihre Lebensgeschichte weggefressen. Beobachter: Und die Gegenwart ist gänzlich verschwunden? Held: Nicht unbedingt. Demenz ist ein sehr wechselhaftes Zustandsbild. Es gibt immer wieder luzide Momente, in denen die Betroffenen ihre aktuelle Situation glasklar erkennen. Auf einer Visite habe ich eine Patientin erlebt, die lange kein Wort mehr geredet hat und dann plötzlich sagt: «Es tut mir leid, dass ich euch solche Schwierigkeiten mache.» Das sind existenzielle Momente.

«Oft beklagen Betroffene eine innere Verunsicherung: ‹Etwas stimmt nicht mehr mit mir.›» Christoph Held Beobachter: Demenzkranke wissen häufig nicht mehr, wie ganz alltägliche Verrichtungen funktionieren. Kann dieses Wissen ebenfalls wieder aufflackern? Held: Nein.

  1. Diese Fähigkeiten verlieren Betroffene unwiderruflich – oft in der umgekehrten Reihenfolge, wie sie sie als Kind erlernt haben.
  2. Diese Rückwärtsentwicklung verläuft meist nicht linear, sondern in Abstufungen.
  3. So kann jemand sehr lange die Zähne selber putzen, und auf einmal, innerhalb weniger Tage, weiss er nicht mehr, wozu eine Zahnbürste überhaupt da ist.
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Das kommt auch durch Training nicht wieder zurück, es ist wie gelöscht – und Betroffene können sich das alles überhaupt nicht erklären. In solchen Phasen zeigen sie häufig ein unruhiges, mitunter aggressives Verhalten, wenn man sie mit gutgemeinten Hilfestellungen überfordert.

  • Beobachter: Für Aussenstehende sind solche Veränderungen schwer nachvollziehbar.
  • Wie reagiert man am besten? Held: Man muss einfach akzeptieren, dass die erkrankte Person dies und das jetzt nicht mehr kann.
  • Nicht hilfreich ist, Druck zu machen im Sinn von: «Eben ist es doch noch gegangen.
  • Wieso kannst du das jetzt nicht mehr?» Beobachter: Eine verzweifelte Frage.

Held: Noch verzweifelter ist: «Was suchst du denn die ganze Zeit?», wenn ein Betroffener ziellos in der Wohnung umhergeht. Suchen und Finden ist ja genau das, was er nicht mehr kann. Das Verständnis der Umgebung macht extrem viel aus bei der Demenz, während Medikamente leider nur sehr wenig helfen.

  1. Beobachter: Demenz schleicht sich schon Jahre vorher langsam an.
  2. Wie äussern sich die frühen Symptome? Held: Das zeigt sich in individuellen Wesensveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten, die vielfach mit bisherigen Gewohnheiten brechen.
  3. Ein geiziger Mann lädt im Restaurant alle ein, eine pingelige Frau lässt auf einmal alles durchgehen.

Oft beklagen Betroffene eine innere Verunsicherung: «Etwas stimmt nicht mehr mit mir.» In den frühen Krankheitsphasen nehmen sie ihre und Desorientiertheit durchaus wahr, und nicht selten versuchen sie, das zu überspielen. Oder sie ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück, aus Angst, sich blosszustellen.

Oft ist es schwierig, diesen Zustand von einer zu unterscheiden, die bei einer beginnenden Demenz auftreten kann. Beobachter: Ist es sinnvoll, sich bei frühen Verdachtsmomenten medizinisch abklären zu lassen? Held: Auf jeden Fall. Eine Frühdiagnose ist immer anzustreben. Denn es gilt ja, die behandelbaren Ursachen von Vergesslichkeit wie Depression oder auszuschliessen.

Und natürlich geht es auch darum, beim Betroffenen und seinen Angehörigen das Bewusstsein für diese Krankheit zu schaffen – ein schwieriger Prozess. Denn der Erkrankte und sein Umfeld sollten sich möglichst schon früh Gedanken machen über die zukünftige Betreuung.

Beobachter: Dennoch: Die Diagnose ist ein Schock – die Krankheit ein Tabu. Auch deshalb versuchen Betroffene wohl, die Demenz zu überspielen. Held: Manchmal füllen Demenzkranke tatsächlich ihre Gedächtnislücken einfach irgendwie aus. Man spricht in diesem Zusammenhang von Fassade. Ich habe diesen Begriff nicht gern, weil er bewusstes Täuschen unterstellt.

Dabei ist es ein Nicht-mehr-Können. Genau darum geht es eben: diese Krankheit zu verstehen und sie dadurch zu enttabuisieren. «Oft geraten auch sehr motivierte und psychisch stabile Angehörige in eine chronische Erschöpfung.» Christoph Held Beobachter: Bei der Demenzpflege gilt die Maxime: möglichst lange zu Hause bleiben.

  1. Wer wollte nicht bei seinen lieben und vertrauten Menschen bleiben, wenn er hilfsbedürftig ist? Held: In späteren Phasen der Krankheit kann das allerdings,
  2. Wenn jemand seine Angehörigen nicht mehr erkennt und sie fragt: «Wer sind Sie? Gehen Sie sofort aus meiner Wohnung!» Dann wird das Eigene auf einmal bedrohlich und fremd – selbst der Ort, der zuvor ein Leben lang Hort der Geborgenheit war.

Die Gedanken, die dadurch ausgelöst werden, können bis zur Wahnhaftigkeit gehen. Die Betroffenen glauben, Fremde kämen in die Wohnung, um ihre Sachen zu stehlen. Spätestens hier muss man die Ideologie des «Möglichst lange zu Hause» hinterfragen. Beobachter: Ab welchem Zeitpunkt ist es für einen Demenzerkrankten besser, in ein Pflegezentrum zu wechseln? Held: Sobald man merkt, dass er das Eigene bei sich zu Hause gar nicht mehr geniessen kann, sich nicht mehr sicher fühlen kann.

Wenn jemand dann in ein gutes Heim wechselt, erlebt er eine institutionelle Geborgenheit, die die Bedrohungsgefühle von ihm abfallen lässt. Man muss das so oft erlebt haben wie ich als Heimarzt, um diese Empfehlung vertreten zu können. Beobachter: Darf man als pflegender Angehöriger sagen: «Ich kann nicht mehr»? Held: Auf jeden Fall.

Oft geraten auch sehr motivierte und psychisch stabile Angehörige in eine chronische, Wenn die Pflegebedürftigkeit des Erkrankten zunimmt – typischerweise, wenn Urin- und Stuhlinkontinenz ins Spiel kommt –, treten bei vielen Angehörigen Gefühle der Verzweiflung, der Scham oder der Verlassenheit auf.

  • Spätestens dann ist es Zeit,,
  • Beobachter: Denken die Angehörigen zu spät an sich selber? Held: Ja, das kommt vor, aus verschiedenen Gründen.
  • Einige fühlen sich durch die Familie unter Druck gesetzt, den Demenzkranken zu Hause zu behalten.
  • Andere wollen sich an ihr Eheversprechen halten.
  • Sie glauben zu versagen, wenn sie nicht ein ganzes Leben lang für den Ehepartner sorgen und ihn stattdessen in ein Heim abgeben.

Ausserdem hat der Heimaufenthalt für viele Angehörige auch finanzielle Probleme zur Folge. In allen Fällen können Informationen und Beratungen durch Organisationen wie Pro Senectute, Alzheimervereinigungen oder Memory-Kliniken sehr hilfreich sein. Denn viele betroffene Familien sind mangelhaft informiert über wie zum Beispiel Ergänzungsleistungen.

  • «Wissen, was dem Körper guttut.»
  • Chantal Hebeisen, Redaktorin

Der Gesundheits-Newsletter Daniel Benz beschäftigt sich mit sozialen und gesellschaftlichen Themen – und schreibt auch gern über die genussvollen Seiten des Lebens. Birthe Homann schreibt am liebsten über soziale Themen, über Menschen und ihre Geschichten. Und über Berge und Fussball, anders. : «Demenz ist nicht einfach langsames Vergessen und Erlösung»

Was merkt ein Demenzkranker?

Im Kopf eines Demenzkranken | Leben mit der Krankheit Eine Demenz geht weit über den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinaus. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmungen, das Verhalten und Erleben der Betroffenen – das gesamte Sein des Menschen. In der Welt, in der sie leben, besitzen die Dinge und Ereignisse oft eine völlig andere Bedeutung als in der Welt der Gesunden.

Die Betroffenen vereinsamen innerlich, da ihnen keiner in ihrem Erleben der Welt mehr zu folgen vermag. Manchmal stelle ich mir seltsame Fragen. Wenn ich keine Frau mehr bin, warum fühle ich mich wie eine? Wenn das Festhalten keinen Sinn mehr hat, weshalb will ich es denn mit aller Gewalt? Wenn meine Sinne nichts mehr empfinden, warum genieße ich dann immer noch das Gefühl von Satin und Seide auf meiner Haut? Wenn ich nicht mehr sensibel bin, weshalb bringen bewegende Liedertexte Saiten in mir zum Klingen? Jedes einzelne Molekül in mir scheint in die Welt herauszuschreien, dass ich existiere und dass diese Existenz für irgendeinen Menschen von Wert sein muss.

Diana Friel McGowin, 1994, US-amerikanische Autorin und Alzheimer-Patientin Niemand weiß wirklich, wie es in einer an Demenz erkrankten Person aussieht, denn nur im Anfangsstadium der Krankheit können sich die Betroffenen selbst mitteilen. Später müssen die Angehörigen erfühlen, wie es dem erkrankten Menschen geht, was er benötigt und was ihm guttut.

Für die Betreuenden bedeutet das, dass sie sich in die Welt der Betroffenen begeben müssen, um von ihnen verstanden zu werden. Um in Kontakt mit ihnen zu bleiben, müssen sie sich in deren Situation einfühlen und auf diese Weise mit ihnen in Verbindung treten. Der Schlüssel für etliche Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz liegt in ihrer Biografie verborgen.

Einschneidende Erlebnisse, persönliche Ängste und Charaktereigenschaften der Betroffenen zu kennen, heißt, sie auch während der Krankheit besser zu verstehen. Deshalb können nahe Angehörige das Verhalten der Erkrankten meist am besten verstehen.

    Gestörte Merkfähigkeit und Gedächtnisabbau „Seit ich an Demenz erkrankt bin, gehe ich nicht mehr gerne unter Leute. Meine Vergesslichkeit ist mir sehr unangenehm. Früher war ich gesprächig und belesen. Heute kann ich mich oft nicht an Dinge erinnern, die erst gestern oder sogar heute passiert sind, und kann mich auf einmal nicht mehr richtig ausdrücken.” Die Schwierigkeit, sich Dinge zu merken, steht in der Regel am Beginn einer Demenzerkrankung. Den Betroffenen gelingt es nicht mehr, neue Informationen im Langzeitgedächtnis zu speichern – sie vergessen Termine, verlegen Gegenstände oder erinnern sich nicht an die Namen entfernter Bekannter. Von einer Demenz Betroffene bemerken ihre Leistungsverluste meist schneller als alle anderen. Oft geraten sie aufgrund ihrer Gedächtnislücken völlig durcheinander und fühlen sich gedemütigt und beschämt. Mithilfe von Merkzetteln oder durch Zurückhaltung in Gesprächen versuchen sie, ihre Vergesslichkeit zu verbergen. Hobbys werden aus vorgeschobenen Gründen aufgegeben, Fehler abgestritten und Angehörige etwa beschuldigt, Geld weggenommen zu haben. Im weiteren Krankheitsverlauf sind sich die Betroffenen ihrer Gedächtnisprobleme immer weniger bewusst. Das Leiden an den Folgen wie beispielsweise dem Verlust von Unabhängigkeit bleibt aber bestehen. Zur schwindenden Merkfähigkeit tritt ein fortschreitender Gedächtnisabbau, zunehmend verblassen auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. In der Folge wird das logische Denken beeinträchtigt, gehen erworbene Fähigkeiten verloren und nimmt das Sprachvermögen ab. Am Ende verlieren die Betroffenen schließlich das Wissen darüber, “wer sie waren” und “wer sie sind”. In fehlenden Erinnerungen liegt häufig der Grund für das unverständliche Verhalten der Erkrankten: Wer sich nicht mehr an die Person erinnert, die einem gerade aus den Kleidern helfen möchte, wird sie als Zumutung für seine Intimsphäre empfinden – und sie unter Umständen beschimpfen oder sich weigern, sich auszuziehen. Versetzt man sich jedoch in die Welt der Erkrankten, ist dies durchaus eine verständliche Reaktion. Durch angemessene Reaktionen wie praktische Hilfe der Angehörigen können die negativen Folgen der Gedächtnisstörungen für die Betroffenen zumindest gemildert werden.

    Sollen Demenzkranke Fernsehen?

    Für Menschen mit Demenz ist das herkömmliche Fernsehen im Allgemeinen wenig geeignet. Je mehr die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer fällt es Betroffenen, Filmen und Sendungen zu folgen. Zu viele Informationen, zu komplizierte Handlungsstränge, zu lange Dialoge, zu schnelle Bildwechsel – das alles überfordert demenziell veränderte Zuschauer.

    • Zudem können manche von ihnen nicht mehr richtig zwischen Realität und Fiktion unterscheiden, sodass bestimmte TV-Inhalte bedrohlich und beängstigend erscheinen.
    • Für demenzerkrankte Menschen eignet sich also nur sehr „leicht verdauliche” Fernsehkost.
    • Das Erzähltempo muss niedrig und die Handlung möglichst einfach sein.

    Diese Kriterien erfüllen oft ältere Filme oder Tier-Dokumentationen. Mittlerweile gibt es spezielle TV-Produktionen, welche auf die besonderen Bedürfnisse von Demenzerkrankten abgestimmt sind. Mit ruhigen Bildern, einfachen Spielszenen, idyllischen Landschaften und vertrauten Motiven (zum Beispiel Großeltern, die mit ihren Enkeln spielen) erzeugen sie eine angenehme Wirkung. Mit GoldenSummer.TV gibt es inzwischen den ersten Anbieter von Abonnement-TV für Demenzerkrankte. Geboten werden Programme, die unter anderem auf die biografischen Hintergründe der Zuschauer sowie auf deren individuellen Demenzstufen abgestimmt sind. Laut Holger Strehlau, Vorstandsvorsitzender von der Curae AG und Ideengeber für GoldenSummer.TV, hat die Entwicklung mehr als drei Jahre gedauert, da zum einen Wissenschaftler und Praktiker beteiligt waren und zum anderen vielfältige Praxistests durchgeführt wurden.

    Wie lange kann man mit einer Demenz leben?

    Demenz: Lebenserwartung – Demenz führt an sich nicht unbedingt zum Tod. Dennoch haben Menschen, die an Demenz erkranken, eine verkürzte Lebenserwartung, Das liegt zum einen daran, dass es den Betroffenen im späteren Verlauf der Krankheit immer schwerer fällt, auf ihre eigene Gesundheit zu achten, Frühwarnzeichen für Erkrankungen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

    So bleiben oftmals Begleiterkrankungen lange unbehandelt und führen dann zum Tod. Die häufigste Todesursache bei Menschen mit Demenz ist die Lungenentzündung (Pneumonie). (10) Das hat zwei Gründe: Zum einen schwächt eine fortgeschrittene Demenz das Immunsystem. Man ist dann anfälliger für Infektionskrankheiten.

    Zum anderen bereitet der Vorgang des Kauens und Schluckens in diesem Stadium große Probleme ( Schluckstörungen ). Das hat zur Folge, dass oftmals Nahrung in die Luftröhre und in die Lunge gelangt, die sich dort entzündet. Durchschnittliche Lebenserwartung bei Demenz:

    • Alzheimer: 1,5 bis 8,5 Jahre ab der Diagnose (11)
    • Vaskuläre Demenz: 1,4 bis 6 Jahre ab der Diagnose (12)
    • Lewy-Körper-Demenz: 6 bis 12 Jahre ab den ersten Symptomen (13)
    • Frontotemporale Demenz: 8 Jahre ab den ersten Symptomen (14)
    • Parkinson-Demenz: Dazu stehen keine verlässlichen Daten zur Verfügung.

    Bitte beachten Sie, dass die Lebenserwartung im Einzelfall stark von den Durchschnittswerten abweichen kann. Manche Menschen leben mehr als 20 Jahre mit einer Demenzerkrankung.

    Wann wird es Zeit Demenzkranke ins Heim zu bringen?

    2. Ausgangssituation der Pflege bei Demenz – Nicht immer ist es Angehörigen möglich, Pflegebedürftige mit Demenz in der häuslichen Umgebung zu pflegen. Die Pflege ist je nach Ausmaß der Demenzerkrankung sowohl psychisch als auch physisch sehr anstrengend. Sie führt oft zu sozialer Isolation der pflegenden Angehörigen, weil sie die pflegebedürftige Person nicht alleine lassen können und deshalb die Wohnung nur verlassen, wenn die Beaufsichtigung durch Dritte sichergestellt ist. Ist die Belastung der Pflegepersonen (oft Ehepartner bzw. Kinder) zu groß und kann sie auch durch die Inanspruchnahme von Entlastungsmöglichkeiten nicht ausreichend reduziert werden, ist ein Umzug in eine stationäre Einrichtung, z.B. ein Pflegeheim, notwendig. Näheres zu Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige unter Demenz > Entlastung Angehöriger und Pflegende Angehörige > Entlastung, Die Entscheidung für ein Pflegeheim ist für viele Angehörige von Menschen mit Demenz ein schwerer Schritt, da neben dem schlechten Gewissen, erkrankte Angehörige “abzuschieben”, viele Ängste und Fragen im Raum stehen:

    Werden Angehörige ausreichend gepflegt? Kann sich das Personal individuell um die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person kümmern? Ist trotz der Demenz noch eine Eingewöhnung im Heim möglich? Wie reagiert die Person mit Demenz auf den Umzug? Wie viel kostet die Unterbringung im Heim? Reicht die Rente dafür aus? Müssen Angehörige zuzahlen? Was bleibt für deren Lebensunterhalt übrig?

    Warum rufen Demenzkranke ständig Hallo?

    Schreien bei Demenz kann eine Reaktion auf sehr verschiedene Umwelteinflüsse sein: Angst, Schmerz, Einsamkeit oder Reizüberflutung, Fast immer liegt die Ursache in ungünstigen Lebensbedingungen der Betroffenen. Mit lautstarken Rufen fordern Betroffene Aufmerksamkeit und Verständnis.

    In manchen Fällen äussert sich so eine Wut über die verlorene Kontrolle über ihr Leben, Meist in einem späteren Krankheitsstadium, wenn Menschen sich kaum noch anders artikulieren können, als mit Schreiattacken. Lernvideo: Rufen bei Demenz – YouTube demenzworld 2.53K subscribers Lernvideo: Rufen bei Demenz demenzworld Watch later Share Copy link Info Shopping Tap to unmute If playback doesn’t begin shortly, try restarting your device.

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    Warum sagen Demenzkranke immer Hallo?

    Verhalten im Grenzbereich: Schreien und Rufen bei Demenz Es ist ein Verhalten, eine Reaktion, eine Art der Kommunikation, welche die Umgebung an ihre Grenzen bringen kann. Ob pflegende Angehörige, Mediziner, Betreuungskräfte oder Pflegefachleute – dauerhaftes Schreien und Rufen von Menschen mit Demenz kann nicht nur sie, sondern auch Nachbarn, Mitpatienten im Krankenhaus oder Mitbewohner im Pflegeheim überfordern.

    Das Phänomen ist mir gut bekannt – und nicht immer lies es sich zufriedenstellend lösen. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen: für Sie bleibt der Preis bei einer Bestellung gleich, jedoch bekomme ich eine kleine Werbekostenerstattung. In 2., überarbeiteter Auflage ist erschienen.

    Ich hatte Gelgenheit, einem der Autoren Fragen zum Thema Schreien und Rufen zu stellen. Die Antworten von Pflegewissenschaftler Hans-Werner Urselmann gebe ich hier ungekürzt wieder. J ochen Gust: Herr Urselmann die herausfordernden Verhaltensweisen und Reaktionen von Menschen mit Demenz sind vielfältig. Wie sind Sie dazu gekommen, sich speziell mit Schreien und Rufen zu befassen? Hans-Werner Urselmann: Im Rahmen meines Studiums der Pflegewissenschaft habe ich mich mit unterschiedlichen Phänomen in der Pflege beschäftigt.

    Warum ich das Schreien und Rufen von Menschen mit Demenz intensiver untersuchte? Vielleicht steht das im direkten Zusammenhang mit einem Ereignis, dass ich an meinem ersten Tag in einem Altenheim erlebt habe. An diesen Tag erinnere ich mich nach so vielen Jahren noch gut. Ich wollte dort für eine kurze Übergangszeit als Pflegehilfskraft tätig werden und sollte nach dem Rundgang durch diese Einrichtung in einem Wohnraum warten.

    In diesem Raum saßen eine alte Frau und ein alter Mann. Der Raum wirkte einladend und er war geschmackvoll eingerichtet. Als ich den Raum betrat, sah mich die alte Frau kurz an und versuchte aufzustehen, was ihr aber nicht gelang. Irgendetwas hielt sie an dem Stuhl fest.

    • Ich wartete erst wenige Minuten, aber die Atmosphäre fand ich zunehmend immer beklemmender.
    • Plötzlich schrie die alte Frau mit einem zur Tür gerichteten Blick aus Leibeskräften: „Ruuuuuddiiii, Ruuuuuddiiii”,
    • In dem Moment sah ich eine Mitarbeiterin, die mit schnellen Schritten an dem Raum vorbeiging.

    Und wieder die lauten Schreie: „Ruuuuuddiiii Ruuuuuddiiii. Ich kann nicht mehr “. Der alte Mann, der an einem anderen Tisch saß, drehte sich um und plötzlich schrie auch er: „Ich kann auch nicht mehr. Wenn du nicht endlich die Schnauze hältst, stopfe ich dir dein ewig grölendes Maul.

    • Halte endlich die Schnauze, du alte Hexe”.
    • Mit der Faust drohte er der alten Frau, die scheinbar unbeeindruckt wieder zur Tür schaute.
    • Ich staunte über das Gehörte und war in der Situation geradezu gefangen.
    • In dem Moment betrat die Pflegeperson, die eben sehr schnell an den Raum vorbeigegangen war, das Zimmer.

    Kopfschüttelnd und übertrieben laut sagte sie: „Was ist hier denn schon wieder los” und flüsterte leise vor sich hin: „Eine ewig brüllende Frau und ein aggressiver Kerl. Ich liebe die Nachmittage auf diesem Wohnbereich”. Das war mein erster Tag in einem Altenpflegeheim.

    1. Hautnah spüre ich noch heute die Ohnmacht, die ich damals wahrnahm.
    2. Die erlebte Situation hat mich nie losgelassen und neben dem wissenschaftlichen Interesse ist das wohl die Quelle meines Interesses, die mich veranlasste, dass Phänomen des Schreien und Rufen näher zu untersuchen.
    3. Jochen Gust: Ich selbst erlebe in meiner Arbeit immer wieder, dass beim Thema Verhalten von Menschen mit Demenz die „Störung” recht schnell und eindeutig identifiziert wird.

    Also das, was die Umgebung stört. Weniger aber die Ursachen und Wechselwirkungen. Wie sollten Pflegefachleute vorgehen, um den Gründen für Schreien oder Rufen auf die Spur zu kommen? Schreien und Rufen: ein komplexes Phänomen Hans-Werner Urselmann: Leider kann ich Ihnen kein Patentrezept und keine einfache Handlungsanweisung nennen, die immer und überall in dem Sinne wirkt, dass sie den Schrei- oder Rufanlass finden und der Mensch mit Demenz nicht mehr schreit oder ruft.

    • Ein Handbuch der einfachen Handlungsschritte gibt es nicht.
    • Ann es nicht geben, wenn man die Komplexität des Phänomens berücksichtigt.
    • Wir alle wissen, dass der Demenzverlauf nicht statisch ist.
    • Aber: Professionell Pflegende können auf ihr Fachwissen zurückgreifen.
    • Diese Kompetenz gilt es zu aktivieren.

    Eine Interviewpartnerin, die in einem Wohnbereich tätig ist, wo nur Menschen mit Demenz leben, die laut schreien und rufen, sagte mir in diesem Zusammenhang, dass in ihrem Team der Offenheit und der konstruktiven Zusammenarbeit hohe Bedeutung zukommt.

    Wichtig bei der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz und die Suche nach dem Schrei- oder Rufanlass, bemerkte sie richtig, ist nicht nur die Fachkompetenz, sondern auch der Wille dieses Wissen einzusetzen und ein Arbeitsumfeld, wo dies möglich ist. Das hört sich vielleicht einfach an und ist auch nicht neu.

    Aber im stressigen Pflegealltag ist diese Haltung zwingend notwendig. Es ist wichtig, dass eine Pflegeperson im Team sagen kann, dass sie das Schreien und Rufen an diesem Tag stört. Sie muss Momente der Belastung offen thematisieren können und zwar ohne den moralischen Zeigefinger des Kollegen oder der Vorgesetzten.

    • Personalmangel, schlechte Rahmenbedingungen, wie z.B.
    • Mangelnde Unterstützung durch die Leitungsebene oder deren Gleichgültigkeit, nur fremdbestimmte Wohnraumgestaltung, ungünstige Dienstzeiten, um nur einige Hemmfaktoren zu nennen, können kein Klima des Aufbruchs und guter Leistung sein.
    • Diese Faktoren nenne ich an dieser Stelle ganz bewusst als Ausgangspunkt für die Arbeit mit Menschen mit Demenz, die schreien und rufen.

    Den Menschen mit Demenz und seine Bedürfnisse kann ich nur dann wirklich kennenlernen, wenn die Rahmenbedingungen gute Arbeit möglich machen. Jetzt habe ich eigentlich nur die Rahmenbedingungen thematisiert. Um ihre Frage zu beantworten: Der Schrei- und Rufanlass ist vom Menschen mit Demenz und seiner Person nicht zu trennen.

    Ich muss den Menschen und sein gelebtes Leben in den Mittelpunkt rücken und bei der Suche der Spontanität, Kreativität, Offenheit und Neugier breiten Raum einräumen. Wenn es möglich ist, gilt es die Angehörigen sozusagen mit „ins Boot zu holen.” Die Rolle der Medikamente Jochen Gust: Können Medikamente helfen und wann sind sie bei diesem Verhalten sinnvoll? Hans-Werner Urselmann: Ja, Medikamente können hilfreich sein und ihr Einsatz ist wichtig.

    Wenn ein Mensch mit Demenz z.B. schreit oder ruft, weil er Schmerzen hat, ist die Applikation von Medikamenten wichtig und richtig. Ein weiteres Beispiel: Wenn Pflegende dem Arzt berichten, dass der alte Mensch tagelang bis zur totalen Erschöpfung schreit und keine Ruhe mehr findet, kann der Einsatz von Medikamenten angezeigt sein.

    Das sind nur zwei Beispiele, die die Bedeutung der medikamentösen Behandlung in den Vordergrund rücken und die Zusammenarbeit zwischen den Pflegenden und dem Mediziner eine wichtige Rolle zuschreibt. Immerhin ist und bleibt der Arzt auf die Beobachtungsergebnisse und die Kompetenz der Pflegeperson zwingend angewiesen.

    Fachpflegende können z.B. im Altenheim eine lückenlose Langzeitbeobachtung und Gesamteinschätzung vornehmen. In diesem Zusammenhang möchte ich eine Interviewpartnerin zitieren, die berichtete, dass sie erst lernen musste, dass der Einsatz von Medikamenten hilfreich sein kann.

    Lange dachte sie, dass „validierendes darauf eingehen” allein richtig ist. Erst die enge Zusammenarbeit mit einem Facharzt zeigte ihr, dass engmaschige Visiten und zeitnahe Medikamentenanpassung in kleinsten Schritten, den alten Menschen helfen kann. Sie beschreibt wenig später in dem Interview indirekt das Phänomen des „glücklichen Schreiens”,

    Denn das gibt es auch: Der alte Mensch schreit und er wirkt in diesen Schreiphasen ausgeglichen und geradezu glücklich. Das unterstreicht, dass Menschen mit Demenz auch ein Recht auf Schreien und Rufen einzuräumen ist. Viele Pflegende berichteten dagegen, dass sie die Applikation von Medikamenten sehr kritisch sehen, weil oft allein eine stark sedierende Wirkung zu beobachten ist.

    1. Der Mensch mit Demenz würde weiter schreien, wenn er noch könnte.
    2. Allein die Medikamente haben ihn verstummen lassen.
    3. Sie beschreiben damit in diesem Zusammenhang das Phänomen des „Stummen Schreiens”,
    4. Oft wären die Medikamente nur deshalb zum Einsatz gekommen, weil sich Kollegen, Mitbewohner, andere Patienten oder Anwohner gestört fühlten.

    Mit der Medikamentengabe würde in diesen Beispielen nur „Ruhe erkauft”, Dieses Vorgehen wird übereinstimmend als Gewalt interpretiert. Darüber hinaus forderten die teilnehmenden Pflegefachpersonen, dass das Verschreiben der Medikamente mit stark sedierender Wirkung allein in die Hand des Facharztes und nicht des Hausarztes gehört.

    1. Abschließend noch der Hinweis: Meines Wissens gibt es kein Arzneimittel, bei dem auf dem Beipackzettel steht: „Hilft gegen herausforderndes Schreien und Rufen von Menschen mit Demenz.”,
    2. Jochen Gust: Was können Pflegefachleute tun, um dem Verhalten zu begegnen und welche Effekte sind Ihrer Erfahrung nach zu erzielen durch nichtmedikamentöse Interventionen? Hans-Werner Urselmann: Am Anfang jeder Interventionsgestaltung muss das Wissen und das Verständnis stehen, das die herausfordernden Schreie oder Rufe eines Menschen mit Demenz kein aggressives Verhalten ist.

    Der Schrei oder Ruf ist Ausdruck einer Person und vielleicht das einzig verbliebene verbale Kommunikationsmittel, dass diesem Menschen noch zur Verfügung steht. Das ist deshalb wichtig, weil der Mensch mit Demenz nicht immer deutlich seine Bedürfnisse verbal mitteilen kann.

    Er kann z.B. nicht sagen, ich habe Durst, mir ist kalt, ich habe Schmerzen, hier ist es mir viel zu laut oder ich habe Angst und will nach Hause. Sie sehen, die Schrei- und Rufgründe sind sehr vielschichtig, komplex und auch im Kontext zu betrachten. Es hilft dem Menschen aus diesem Grund nicht, Medikamente mit sedierender Wirkung zu applizieren, wenn er z.B.

    Durst hat. Er schreit und ruft dann vielleicht nicht mehr, hat aber immer noch Durst. Zugegeben, dass ist ein einfaches und verkürztes Beispiel, aber es unterstreicht die Bedeutung der nichtmedikamentenösen Interventionen. Aus diesem Grund sollten sie immer am Anfang stehen.

    Diese Erkenntnis ist natürlich ebenfalls nicht neu, sondern gelebte Praxis. Was machen nun Pflegende, wenn ein Mensch mit Demenz schreit oder ruft? Die Aktivitäten richten sich zunächst direkt auf das Verhalten des schreienden Menschen und auf die Schreisituation, die es zu befriedigen und/oder zu befrieden gilt.

    Der Versuch und Irrtum steht dabei zuerst im Vordergrund der unterschiedlichen Strategien. Pflegende wollen wissen, warum schreit der Mensch mit Demenz und sie wollen zielgenau intervenieren können, wobei allen nonverbalen Signalen besondere Bedeutung zukommt.

    • Eine Pflegende sagte mir, wir agieren geradezu in einem „Klima des detektivischen Wissenwollens”.
    • Wir versuchen ein Schreimuster zu erkennen, wir achten auf die Tageszeit, die Schreidauer, Intensität, den Schreibeginn und z.B.
    • Auch auf das Schreiende.
    • Wohlwissend, dass der Schrei- und Rufanlass nicht immer gefunden werden kann.

    Es werden die intrinischen und die extrinischen Faktoren, also die von innen bzw. außen wirkenden Einflussfaktoren analysiert und in ein Gesamtbild platziert. Die wahrscheinlichste Schreiursache tritt in den Mittelpunkt und der Versuch- und Irrtumsablauf folgt.

    Hierbei kommt dem Fachwissen und der Erfahrung der Pflegenden besondere Bedeutung zu. Ich will Ihnen an dieser Stelle ein exemplarisches Beispiel nichtmedikamentöser Interventionen nennen, die ich unter dem Begriff „ körperlich-therapeutische Interventionsansätze” zusammengefasst habe und die viele an der Studie teilgenommenen Informanten als erfolgreich im Sinne des Pflegeziels Ruhe beschrieben haben.

    Sie berichteten, dass sie körperlichen Kontakt zu einem schreienden Menschen mit Demenz aufnahmen, ihn „drückten” oder „in den Arm nahmen”. Der Mensch mit Demenz wurde ruhig. Man könnte jetzt glauben, dass ist die Lösung für jeden Schrei oder Ruf. Nur ganz so einfach ist es nicht.

    • Es gab bei dem direkten Körperkontakt auch Menschen, die viel lauter und intensiver schrien.
    • Es wurde darüber hinaus berichtet, dass der direkte Körperkontakt über einen langen Zeitraum im Sinne vom Ende der Schreiphase erfolgreich wirkte, sich jedoch plötzlich die Reaktion von einem auf den anderen Tag änderte.

    Die Schreiphasen wurden lauter und intensiver. Was hatte sich geändert? Die Antwort ist eigentlich einfach: Demenz besitzt einen progredienten Verlauf und nicht alle Menschen reagieren auf einen Reiz gleich. Hieraus folgt, dass es kein Allheilmittel und kein Patentrezept gibt und geben kann.

    In diesem Zusammenhang möchte ich eine Interviewpartnerin zitieren, die ihre Interventionsgestaltung bei schreienden Menschen mit einem Puzzlespiel verglichen hat. Sie betonte, dass sie und ihr Team jeden Tag ihre Interventionsansätze analysierend aufs Neue sozusagen als Mosaiksteine zusammensetzen und sie bemerkte: Der Stein, also der Interventionsansatz, der gestern noch passte, war heute plötzlich obsolet.

    Zusammenfassend ist deshalb zu fordern: Pflege darf Phänomene wie das Schreien und Rufen nicht einseitig und verkürzt interpretieren, sondern jede Intervention muss die Komplexität und Diversität ins Blickfeld nehmen. Die Individualität eines Menschen mit Demenz und sein gelebtes Leben ist und bleibt Taktgeber.

    Akzeptanz und Verständnis Jochen Gust: Immer wieder berichten mir Einrichtungsleiter auch, dass in ihrem eigenen Haus eine gewisse Akzeptanz für das Phänomen geschaffen wurde – es aber häufig Beschwerden aus der unmittelbaren Nachbarschaft gibt, die sich durch die Schreie oder Rufe gestört fühlen. Auch werden Pflegende im ambulanten Dienst von Dritten angesprochen, dass das doch „so nicht geht”.

    Haben Sie einen Rat für den Umgang mit solchen Beschwerden? Hans-Werner Urselmann: Mit Ihrer Frage sprechen Sie einen wichtigen Aspekt an. Schreien und Rufen ist laut und kann als problematisch, überaus störend und untragbar gewertet werden. Nicht selten hören Pflegende: „Hören Sie die lauten Schreie und die stundenlangen Rufe nicht? Machen Sie was! Egal was, Hauptsache der Schreihals ist still”.

    Aus der Nachbarschaft kommt dann vielleicht sogar die Forderung: „Schließen Sie die Fenster und noch besser: Schließen sie auch gleich die Rollläden.” Wie kann in diesen Situationen Akzeptanz und Verständnis erreicht werden? Durch fortwährende Aufklärungsarbeit, durch Kennenlernen der Pflegeanforderung, durch Austausch und Informationen.

    Suchen Sie den Kontakt zu den Nachbarn, erklären sie ihm die Pflegesituation und das Verhalten eines Menschen mit Demenz. Thematisieren Sie aber auch die ethischen Grundprinzipien einer friedlichen Koexistenz. Pflegende sollten hier stellvertretend für den kranken Menschen die Funktion eines Anwalts einnehmen.

    Eine Parteinahme für einen Menschen, der sich nicht ändern kann. Mir ist durchaus bewusst, dass vielerorts die Wirklichkeit noch weit entfernt von Akzeptanz, Verständnis und Toleranz ist. Aber ebenso wie dem Nachbar vielleicht ein Recht auf Ruhe einzuräumen ist, besitzt der Mensch mit Demenz ein Recht auf Schreien und Rufen.

    Das Schreien und Rufen eines Menschen mit Demenz muss ebenso angenommen werden, wie der Schrei eines Säuglings. Kein deutsches Gericht wird den „Lärm” spielender Kinder gerichtlich unterbinden. Die Schreie von Säuglingen und Kindern sind natürlich nicht mit dem Schrei oder Ruf eines alten Menschen mit Demenz zu vergleichen.

    1. Dieser Zusammenhang ist nicht gemeint und wird nicht unterstellt.
    2. Aber die Umwelt beziehungsweise der nähere und weitere Wohn- und Lebenskontext muss sich dem Menschen mit herausforderndem Verhalten anpassen und nicht umgekehrt.
    3. Dem Menschen mit Demenz ist diese Leistung wegen seiner reduzierten Anpassungsfähigkeit nicht mehr möglich! Ich danke Herrn Urselmann für seine Antworten und die der Thematik gewidmete Zeit.

    Jochen Gust : Verhalten im Grenzbereich: Schreien und Rufen bei Demenz

    Was macht demente glücklich?

    Was Menschen mit Demenz glücklich macht – digiDEM Bayern Japanische Forscher*innen haben die Alltagswünsche von Menschen mit Demenz erforscht. Kennen pflegende Angehörige oder auch Pflegefachkräfte deren emotionale Bedürfnisse, können diese in der Pflegeplanung einbezogen werden.

    • Damit auch die individuellen Alltagswünsche älterer Menschen mit Demenz berücksichtigt werden können, haben Forscher*innen in der Präfektur Aichi in Zentraljapan vertiefende Interviews mit Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz geführt.
    • Alle Befragten lebten bei ihren Familien und besuchten die Demenzambulanz.

    Das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz gründet sich in erster Linie in dem Wunsch, mit der Familie und Freunden zusammen zu sein, miteinander zu reden und gemeinsam etwas zu unternehmen. „Dies wurde als wichtigstes Bedürfnis genannt, da das Fehlen der Anwesenheit und der Gesellschaft von Familienmitgliedern zu Depressionen unter den Teilnehmenden führte”, schreiben die Autor*innen. Foto: Shutterstock Den Tagesablauf beibehalten und aktiv bleiben Nicht nur das Zusammenleben mit der Familie hat für Menschen mit Demenz eine große Bedeutung – unabhängig vom Schweregrad der Demenz. Was sie ebenso glücklich macht, ist, über ihren Tagesablauf und ihre individuellen Aktivitäten selbst zu entscheiden.

    • Also zum Beispiel einkaufen zu gehen oder ein Baseballspiel zu besuchen.
    • Sich außerdem regelmäßig mit etwas Angenehmen wie etwa Gartenarbeit zu beschäftigen oder einen Spaziergang zu unternehmen, trägt genauso zum emotionalen Glück bei wie der Wunsch, die Gegenwart zu genießen.
    • So sagte eine 87-jährige weibliche Befragte: „Ich bin jetzt beschäftigt und glücklich, weil ich zwei Katzen habe.” Eigenständigkeit bewahren Trotz Demenz möchten die Befragten ihren Alltag so gestalten, wie sie es vor der Demenzdiagnose taten.

    „Viele der Teilnehmenden waren gegen jede Veränderung in ihrem Lebensumfeld”, heißt es in der Studie weiter. Auch die Eigenständigkeit beizubehalten wurde als ein weiterer Wunsch formuliert. In ihrer Studie kommt das japanische Forscherteam zu dem Schluss: Die Wünsche von Menschen mit Demenz betreffen hauptsächlich emotionale Aspekte ihres täglichen Lebens.

    Was passiert im Endstadium Demenz?

    Die meisten Menschen im fortgeschrittenen Stadium der Demenz sind nicht mehr in der Lage, selbstständig zu essen, sodass man ihnen Essen und Getränke anreichen muss. Manchmal kommt es dazu, dass Demenzerkrankte den Mund nicht mehr öffnen oder sich sogar durch abwehrendes Verhalten entziehen.

    Wie verändert sich die Persönlichkeit bei Demenz?

    Aggressionen bei Demenzerkrankten: Wie äußern sie sich bei Demenzerkrankten? – Menschen mit Demenz können mit der Zeit einen Persönlichkeitswandel durchlaufen. War der Betroffene beispielsweise immer ein eher ruhiger und liebevoller Mensch, kann es passieren, dass er sich plötzlich über Kleinigkeiten aufregt, reizbar und taktlos wird oder einzelne Familienmitglieder ablehnt.

    1. Wutausbrüche bei Demenzerkrankten sind nicht selten.
    2. Manchmal gehen die Gefühlsregungen sogar so weit, dass Betroffene ihre Mitmenschen beschimpfen, mit Gegenständen werfen oder handgreiflich werden.
    3. Zum Teil kommt es auch zu sexueller Enthemmung, die in eine Form der Aggression übergehen kann, beispielsweise durch Anfassen von intimen Körperteilen ohne Einvernehmlichkeit.

    Betroffene haben in dem Fall meist verlernt, mit ihren Impulsen angemessen umzugehen und folgen eher ihrem Trieb. Sexuelle Enthemmung kann bei einer vaskulären Demenz, bei frontotemporaler Demenz, Lewy-Body-Demenz oder Parkinson vorkommen. Experten-Tipp Hinter jeder Demenz steht immer noch derselbe Mensch Ein Mensch, der an einer Demenz erkrankt, ist sich seiner Erkrankung vor allem im weiteren Krankheitsverlauf kaum noch bewusst.

    • Behandeln Sie den demenzerkrankten Menschen daher nicht als „krank”, sondern als Person, die sie war und ist.
    • Ein Perspektivenwechsel kann Ihnen dabei helfen, die Welt aus den Augen der demenzerkrankten Person zu sehen.
    • Begegnen Sie ihm möglichst immer auf Augenhöhe und respektieren Sie seinen freien Willen.

    Auf diese Weise kann es Ihnen gelingen, eine tragfähige Beziehung zueinander aufzubauen. Gerontopsychiatrischer Fachpfleger & Praxisanleiter

    Kann man einen Demenzkranken alleine lassen?

    Um allein mit Demenz zu leben muss man offen mit der Krankheit umgehen – Erste Voraussetzung als Demenzkranker ist, zu akzeptieren, dass man Unterstützung braucht. „Das ist oft die größte Hürde”, sagt Ulrike Döring von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland (ADS).

    Manche Betroffene verschweigen erste Anzeichen – aus Angst, dann vielleicht in ein Heim zu müssen. Dabei muss das nicht sein. Unter Umständen kann man auch mit Demenz vorerst allein zu Hause wohnen bleiben. Der Betroffene selbst sollte möglichst offen mit seiner Krankheit umgehen. „Das erfordert Mut”, räumt Saskia Weiß von der ein.

    Aber gibt jemand freimütig zu, dement zu sein und sich deshalb manchmal nicht zurechtzufinden, stößt dies bei anderen oft auf Verständnis und Hilfsbereitschaft. Generell sollte das Umfeld einem Demenzkranken aber nur an den Stellen zur Seite stehen, wo er Unterstützung braucht.

    Kann ein Demenzkranker was Neues lernen?

    Lernen trotz Demenz – Unterschätztes Potenzial Eine aktuelle Studie belegt, dass die Musikerinnerung auch bei fortgeschrittener Demenz weitgehend erhalten bleibt. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie trotz Erkrankung ein Instrument spielen und Neues lernen können.

    Einzige Voraussetzung: Sie brauchen eine spezielle Methodik und einen Lehrer, der ihnen etwas zutraut. Jörn Jacobsen und seine Kollegen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig lokalisierten vor Kurzem erstmals das Musik-Langzeitgedächtnis im menschlichen Hirn. Das liegt nämlich nicht, wie irrtümlich angenommen, im Schläfenlappen (eine Region, die für das Hören zuständig ist), sondern in einem Bereich, der für komplexe Bewegungsabläufe und Auswertungen von Erlebnissen und Erwartungen verantwortlich ist.

    Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass dieses Areal während der fortschreitenden Degeneration einer Demenzerkrankung weitgehend erhalten bleibt. „Die musikalische Erinnerung”, sagt Jörn Jacobsen, der gerade seine Doktorarbeit an der Universität Amsterdam schreibt, „ist oft überraschend gut intakt, während andere Teile des Gehirns schon stark beeinträchtigt sind.” Auch in einem fortgeschrittenen Stadium bleibe in der Regel die Musikerinnerung erhalten.

    Was bedeutet das für die Praxis? Können Demenzerkrankte in einem bestimmten Bereich mehr, als wir uns vorstellen? Falsche Melodie wird häufig erkannt Noch steckt die Alzheimerforschung in den Kinderschuhen, aber das, was die Neurowissenschaftler in einem Zeitraum von knapp drei Jahren wissenschaftlich mithilfe von 32 Probanden belegen konnten, ist vielen Musikern und Musiktherapeuten aus der Praxis vertraut.

    Demenzerkrankte, die ihre Angehörigen nicht mehr erkennen, können sehr wohl noch ein Instrument spielen und haben ein ausgezeichnetes musikalisches Gehör. Anke Feierabend, ausgebildete Geigerin und Musikpädagogin, unterrichtet seit einigen Jahren in der Lüneburger Heide Demenzerkrankte im Geigenspiel und auf anderen Instrumenten.

    1. Demenziell veränderte Menschen”, sagt die 49-Jährige, „erkennen häufig sofort, wenn eine ihnen bekannte Melodie falsch ist.” Das musikalische Langzeitgedächtnis bleibe erhalten und es sei berührend zu erleben, wie die Betroffenen sich über Musik einen Zugang zum Leben erarbeiten.
    2. Sie habe Schüler gehabt, die nach einiger Zeit regelrecht aufgeblüht seien, weil es gelungen ist, mit ihnen bekannte Lieder auf der Geige oder dem Klavier zu spielen.

    „Wichtig ist”, sagt Anke Feierabend, „dass die Teilnehmer nicht an ihren Defiziten gemessen werden, sondern an dem, was ihnen gelingt.” Dann hätten sie ein Erfolgserlebnis, das sie selbstbewusst und weniger depressiv mache. Sie übe mit den Teilnehmern Stücke ein, die in ihrer Biografie eine positive Rolle gespielt hätten.

    Sie werden nach Gehör gespielt und es entsteht ein musikalisches Miteinander, das reproduzierbar ist. Das sei essenziell, weil die Betroffenen dadurch das Gefühl erhalten, eine hohe musikalische Kompetenz zu haben und etwas lernen zu können. Sie würden etwas gemeinsam erarbeiten, was in jeder Stunde wieder abrufbar ist.

    „Meiner Erfahrung nach ist das Musizieren mit fast jedem Instrument möglich, sofern der Schüler auf minimale Kenntnisse zurückgreifen kann.” „Einmal”, so Feierabend, „habe ich eine ältere schwer demenzkranke Dame unterrichtet, die mit mir beim Singen durch den Raum gelaufen ist und plötzlich unerwartet sagte: Ich erkenne meine Kinder nicht mehr.” In der Regel würden Demenzerkrankte unterschätzt, man traue ihnen nichts zu, dabei gebe es einen Bereich, in dem sie sehr wohl lernfähig sind.

    Den gelte es zu entdecken und zu fördern. Der Blickwinkel der sogenannten Normalen müsse sich ändern, denn an Demenz erkrankte Menschen seien anders lernfähig als es den meisten Menschen vertraut ist: Viele würden den Liedtext nicht mehr kennen, wohl aber die Melodie. Methodik für Demenzerkrankte fehlt Eva-Maria Spalthoff hat an der Universität in Vechta Musikpädagogik und Germanistik studiert.

    Ihre Großmutter war an Demenz erkrankt. Das und ihr Interesse an instrumentalpädagogischer Forschung motivierte die 31-Jährige in ihrer Doktorarbeit der Frage nachzugehen, ob und unter welchen Bedingungen Demenzerkrankte ohne musikalische Vorbildung das Klavierspiel neu erlernen können.

    Nicht jedes Instrument”, sagt Spalthoff, „ist dafür geeignet.” Ein Blasinstrument sei schon deshalb schwierig, weil viele hochaltrige Menschen Probleme mit der Atmung hätten. Wichtig sei auch, dass es eine Methodik gebe, die bei den Lernenden Frustrationserlebnisse und Misserfolge vermeide. Die 31-Jährige hatte zu diesem Zweck zwei verschiedene Notensysteme entwickelt, nach denen Demenzerkrankte das Klavierspiel lernen können.

    Teil des Konzepts ist es auch, angeleitet und frei zu Bildern zu improvisieren. Mehr als ein Jahr erprobte sie ihre Methodik mit demenzerkrankten Personen in Altenheimen und auch bei Personen, die noch zuhause lebten. Darüber hinaus motivierte sie zwei Klavierlehrer nach ihrer Methode Demenzerkrankte zu unterrichten.

    • Ich habe das Klavierspiel nicht aus therapeutischen Zwecken angeboten, sondern wollte Musik als Genuss vermitteln”, sagt die Musikpädagogin.
    • Sie habe während dieser Zeit gemerkt, dass das Musizieren große Auswirkungen auf die Teilnehmer hatte.
    • Eine 80-jährige Dame habe beispielsweise beim Lernen große Fortschritte gemacht und sei in der Lage gewesen, ein kleines Konzert vor einer Gruppe zu geben.

    Sie habe nicht mehr apathisch gewirkt und sich zunehmend wieder im Alltag eingebracht. „Ihre Lebensqualität hat sich deutlich verbessert.” Andere hätten sich insgesamt besser orientieren können und kaum noch depressive Phasen gehabt. Insgesamt gebe es aber zu wenig methodische Erfahrungen, um demenzerkrankte oder behinderte Menschen instrumental zu unterrichten: „Es ist auffällig, dass Musizierpraktiken mit Demenzerkrankten weitgehend unbekannt sind.” Lediglich das Musikhören, Tanzen und Singen werde in Altenheimen und anderen Institutionen angewandt.

    • Auch Musikschulen beginnen gerade erst, sich auf erwachsene Menschen einzustellen, die mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen leben müssen.
    • Es wäre notwendig, dass Musikhochschulen sich verstärkt der instrumentalpädagogischen Forschung in diesem Bereich widmen”, sagt die Musikpädagogin.
    • Auch der Neurowissenschaftler Jörn Jacobsen wünscht sich, dass im Bereich Alzheimer weiter geforscht wird.

    „Wir sind gern bereit, anderen Wissenschaftlern unsere Daten zur Verfügung zu stellen.” Und Anke Feierabend würde gern ein Institut gründen, um Musikern und Musiktherapeuten den Umgang mit Demenzerkrankten zu vermitteln. : Lernen trotz Demenz – Unterschätztes Potenzial

    Wo werden Demenzkranke untergebracht?

    Das Pflegeheim Wenn die Pflege zuhause nicht mehr möglich ist, fällt vielen Angehörigen die Entscheidung für ein Pflegeheim trotzdem schwer. Zumindest für die Auswahl des optimalen Pflegeheims gibt es hilfreiche Fragen, deren Beantwortung die Entscheidung etwas erleichtern können.

    Hat das Heim eine eigene Demenzstation? Welche Angebote gibt es speziell für demenzkranke Menschen? Zum Beispiel: kreative Beschäftigung, Bewegung/Gymnastik, Singen und Musizieren, basale Stimulation, Snoezelen, Aromatherapie, Ausflüge, tiergestützte Therapie, Sinnesgarten Ist das Pflegeheim für Bekannte und Freunde gut zu erreichen? Dürfen private Möbel und persönliche Sachen im Zimmer untergebracht werden? Wie geht das Pflegepersonal mit den Bewohnern um? Verwenden diese eine wertschätzende Sprache und Gestik? Wird auf individuelle Bedürfnisse eingegangen? Können Bewohner frei entscheiden, wann sie aufstehen? Sind Speisen und Getränke außerhalb fixer Zeiten zu bekommen? Wie hoch ist die Anzahl der Pflegekräfte und welche Qualifikation haben diese? Verfügt das Personal über Zusatzausbildung für die Betreuung von demenzkranken Menschen? Wie sieht es mit der ärztlichen Versorgung vor Ort aus und mit sonstigen Therapieangeboten? Gibt es Ansprechpersonen für Angehörige bzw. eventuell sogar Demenzberatung? Wird auf Biografie und Eigenheiten der Bewohner bei der Tagesgestaltung individuell eingegangen?

    Demenzgerechte Strukturen bieten zum Beispiel Pflegeheime der Senecura-Gruppe () und der Caritas Socialis ( ). Bei leichter bis mittlerer Demenz sind auch Wohngemeinschaften eine sinnvolle Alternative, sofern die Betreuung zu Hause nicht mehr möglich ist. : Das Pflegeheim

    Was gibt man dementen Patienten zur Beruhigung?

    Demenzkranke werden häufig mit Neuroleptika ruhiggestellt – Um die Situation zu entschärfen und die Belastungen für Angehörige zu minimieren, verschreiben Hausärtz*innen den Demenzkranken Neuroleptika. Diese Medikamente dämpfen die Patienten, d.h. sie werden ruhiggestellt.

    Die Verschreibungspraxis dieser Arzneimittel hat Prof. Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler der Universität Bremen, anhand von Versichertendaten untersucht und die Daten im Demenzreport 2020 veröffentlicht. „Es werden zu viele Neuroleptika und Benzodiazepine verordnet”, fasst Gerd Glaeske zusammen.

    Ein Drittel aller Patienten mit Alzheimer-Demenz bekommen Neuroleptika. Etwa elf Prozent bekommen zusätzlich Schlafmittel und Beruhigungsmittel. Im stationären Bereich sind es sogar 54 Prozent, die Neuroleptika bekommen. Das alles deutet darauf hin, dass es um die Ruhigstellung geht, aber nicht um eine Therapie, so der Gesundheitswissenschaftler Glaeske. Neuroleptika werden oft leichtfertig eingesetzt. Ein Drittel aller Patienten mit Alzheimer-Demenz bekommen Neuroleptika. Dabei sind diese Medikamente nicht ohne Risiko. IMAGO IMAGO / Shotshop Zwischen 2017 und 2019 bekam zum Beispiel etwa ein Drittel der Betroffenen dauerhaft Wirkstoffe wie Risperidon oder Haldol, die üblicherweise bei Schizophrenie und Psychosen angewendet werden.

    Wie kann man einen dementen beruhigen?

    Aktivitäten im Freien sind nicht nur für demente Patienten gut. Wenn demente Patienten aufgebracht oder aggressiv werden, versucht man meist, sie mit Medikamenten zu beruhigen. Doch besser wirken Aktivitäten im Freien, Massagen und Musiktherapie, wie eine kanadische Metaanalyse zeigt.

    Wie oft sollte man ältere Menschen Duschen?

    Wie oft sollten Senioren gewaschen oder geduscht werden? – Wie oft Senioren gewaschen werden sollten, hängt im Wesentlichen von deren Körpergefühl und Gesundheitszustand ab. Hautkrankheiten, wie Pilzbefall oder Wunden beeinflussen die Häufigkeit der notwendigen Körperwäsche,

    Wie oft Duschen bei Pflegestufe 3?

    Sie können z.B. täglich duschen, da Duschen eine optimale Form der Reinigung darstellt: Der ganze Körper wird gewaschen, die Patienten erleben eine aktivierende Wirkung.